Aquarienpflanzen - Ein Leitfaden für
Einsteiger
Bei den meisten Aquarianern steht die Pflege der Tiere im
Vordergrund. Pflanzen werden hauptsächlich als Dekoration
betrachtet. Da sie aber eine wichtiger Bestandteil der
Stoffwechselvorgänge im Aquarium sind, ist es notwendig, dass die
Pflanzen gut wachsen. Nur so erreichen ein stabiles Milieu ohne
übermäßig viel Algen oder die Ansammlung
schädlicher Substanzen. Dazu ist es notwenig einige grundlegende
Dinge über Aquarienpflanzen zu wissen. Im Folgenden Erkläre
ich eine einfache Einsteigeraquaristik mit wenigen technischen
Hilfsmitteln. Die Leistunsgfähigkeit des Systems soll in diesem
Fall durch die zur Verfügung stehende Lichtmenge begrenzt sein.
Darum ist die Auswahl der richtigen Pflanzen hier besonders wichtig.
Einsteigersets - einfache Technik für den
Anfang
Meistens beginnt der Einstig ins Hobby mit
einem der günstigen Sets. In Aquarien-Komplett-Sets ist die
gesamte Technik enthalten,
die man für den Start des Hobbys benötigt. Das Becken, einen
Filter, einen Heizstab und eine Abdeckung mit Beleuchtung, zum Teil
auch etwas Kies, Futter und ein Kescher sind enthalten. Diese Sets sind
recht günstig, weil sie nicht die ausgefeilteste Technik und das
neues Design liefern. Die elektrischen Geräte sind nicht unbedingt
von den großen, bekannten Herstellern. Sie sind aber GS- und
TÜV-geprüft und erfüllen meist ihren Zweck. Es ist aber
oft so, dass die Filter nicht leistungsstark genug und ihre
Filterkammern zu klein sind. Sollte das der Fall sein, kann man sich
leicht einen neuen Innen- oder Außenfilter anschaffen. Weniger
unkompliziert ist der Wechsel auf eine andere Beleuchtung. Die in den
Abdeckungen fest instalierten Lichtbalken nehmen nur Lampen mit einer
bestimmten Länge und Leistung auf. Es sind meist Reflektoren in
die Abdeckung eingeklebt. Sie lassen sich nach dem Entfernen der
Röhren reinigen, aber meist nicht wechseln, wenn sie stumpf
geworden sind. Das Licht ist im Komplettset darum ein limitierender
Faktor. Meist kommen etwa 0,25 bis 0,3 Watt Nennleistung der Lampen pro
Liter Beckenvolumen. Das ist ein Lichtfaktor, der als gering
einzustufen ist. Dieser Wert ist eine umstrittene Faustzahl mit
begrenzter Aussagekraft. Mehr Informationen über Licht habe ich
auf der Seite zu Licht
im Aquarium
zusammen gestellt.
Wer nur Fische oder Wirbellose pflegen und beobachten will, hat mit der
schwachen Beleuchtung aber keine Schwierigkeiten haben. Es gibt genug
Pflanzen, die auch in einem Komplettset wachsen. Weiter unten habe ich
eine Liste mit solchen Pflanzen zusammen gestellt. Eine
zusätzliche Kohlendioxiddüngung ist nicht notwendig, da unser
Pflanzenwachstum in diesem Fall nicht durch CO2 sondern
durch Licht limitiert wird.
Das einzige zusätzliche technische Gerät, dass in jedem Fall
an ein Aquarium gehört, ist eine Zeitschaltuhr. Sie schaltet das
Licht zu einer bestimmten Zeit ein und wieder aus. So bleiben die
Belichtungsdauern immer gleich. Auch am Wochende und während des
Urlaubs. So ein Gerät ist für 5 € oder weniger zu bekommen.

Eines von vielen Komplettsets. Es
gibt sie in vielen größen und Formen von verschiedenen
Herstellern.
Die günstigsten Sets sind schlichte 60 - 120 cm Becken mit
schwarzen Kunststoffabdeckungen.
Kostspieliger sind Nanobecken mit Aufsteckleuchten oder Sonderformen
mit gebogenen Frontscheiben.
Der Bodengrund
Für Einsteiger kommt eigentlich nur
Naturkies als Bodengrund in Frage. Ideal ist Quarzkies mit einer
Korngröße von 2 - 4
mm. Er wird gewaschen und als eine etwa 5 bis 8 cm dicke Schicht ins
Becken
eingebracht. Ein zusätzlicher Pflanzgrund, Depotdünger oder
gar die Verwendung
eines speziellen aktiven "Soils" ist nicht notwendig. Solche Substrate
gehören in
die Hände von erfahrenen Pflanzenaquarianern, da sie sie das
Aquarienmilieu
beeinflussen. In Einsteigeraquarien verursachen sie mehr Probleme als
das sie
nützen. "Soils", die das Pflanzenwachstum fördern, enthalten
beispielsweise große Mengen an Nährstoffen, die gerade in
der Anfangszeit große Probleme machen können.
Trübungen, Algenwuchs und auch Vergiftungen der Aquarienbewohner
können vorkommen, wenn diese Substrate nicht richtig gehandhabt
werden. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Seite zum Bodengrund im
Aquarium.
Anfänger sollten sich an kalkfreien Kies halten. Auch
ungefärbt sollte er sein. Die Kunststoffbeschichtung auf den
Körner kann zu Wassertrübung und manchmal auch zu
Fäulnis im Bodengrund führen. Naturkies gibt es in
verschiedenen Farben von weiß über gelblich und braune
Töne bis hin zu grau und schwarz. Es schadet nicht in mehreren
Geschäften nach einer optisch ansprechenden Farbe zu suchen.
Wichtig ist, dass die Körner abgerundete Kanten haben. Zum Einen
ist das angenehmer für grabende und gründende Bodenbewohner
und zum Anderen bilden sich dann zwischen den Körner
gleichmäßigere, größere Zwischenräume als
bei kantigen Körnern. Das ist besser für die
Wasserzirkultaion und den Gasaustausch im Boden.
In den ersten Wochen ist es sinnvoll den Pflanzen Nährstoffe
über die Wurzeln anzubieten. Der Boden ist noch Nährstofffrei
und auch im Wasser ist in der Regel keine Pflanzen Nahrung enthalten.
Damit unsere Aquarienpflanzen druchstarten können, sollten ihnen
Düngerkugeln oder Tabletten nach dem Pflanzen in den Wurzelraum
gesteckt werden. Auf Flüssigdünger verzichten wir aber
zunächst.
Die Einlaufphase
Ein Aquarium ist eine kleines Ökosystem mit Abbauketten
und Stoffkreisläufen. Das neu eingerichtete Becken ist
zunächts aber nicht weiter als Leitunsgwasser mit einigen Pflanzen
drin. Das Kreislaufsystem entwickelt sich erst mit der Zeit.
Die bekannteste und wichtigste Abbaukette ist die Umwandlung von
Ammonium
in Nitrat durch Nitrifikation. Fische scheiden Ammonium und Harnstoff
aus. Ammonium/Amoniak und Nitrit sind giftig
für Fische und Wirbellose. Die Umwandlung dieser Moleküle in
weniger giftige Verbindungen ist darum die Voraussetzung für das
Überleben
der Tiere im Aquarium. Diese Umwandlung wird als Nitrifikation
bezeichnet.
Die bekanntesten Nitrifizierer sind die Bakterien Nitrosomonas
europea und Nitrobacter
winogradskyi. Das erste Bakterium nutzt Ammonium zur
Energiegewinnung
und scheidet Nitrit aus. Das zweite nutzt Nitrit und scheidet Nitrat
aus.
Diese beiden autotrophen Bakterien sind im Süßwasser weit
verbreitet. Es gibt aber sehr viele verschiedene Bakterien aus den
Gattungen Nitrosomonas,
Nitrosospira,
Nitrosovibrio, Nitrosolobus und Nitrosococcus,
die
Ammonium nutzen können und einige Arten von Nitrobacter,
Nitrospira,
Nitrospina und Nitrococcus, die Nitrit umwandeln. Alle
benötigen
Sauerstoff und nutzen Kohlendioxid oder Karbonat als Kohlenstoffquelle.
Sie sind chemisch autotroph. Ihr Lebensoptimum liegt bei pH-Wert
6-8 und 25-35°C. In geringem Maße findet aber auch bei
0°C
noch Nitrifikation statt.
In
einem neu eingerichteten Aquarium gibt es zunächst wenige dieser
Bakterien. Sobald aber Ammonium als Nahrungsquelle zur Verfügung
steht vermehren sich Nitrosomonas.
Sie produzieren viel Nitrit, aber die Population an Nitrobacter ist noch zu klein, um
das Nitrit vollständig zu nutzen und in Nitrat umzu wandeln. Darum
gibt es in der Einlaufphase des Aquariums einen "Nitritpeak". Erst wenn
sich ausreichend Nitrobacter neben den Nitrosomonas auf dem
Filterschwamm oder einer Mulmflocke angesiedelt haben um ihre
Ausscheidungen sofort aufzunehmen, wird Nitrit sofort zu Nitrat
umgewandelt und ist nicht mehr nachweisbar. Wenn das der Fall ist, ist
der erste Schritt in der Einlaufphase des Aquariums abgeschlossen und
es können Tiere eingesetzt werden. Einem Aquarium sollte vor dem
Einsetzen von Tieren schon regelmäßig etwas Futter
zugeführt werden. Sonst können sich die Bakterien nicht
vermehren. Am erste dieser ersten Einlaufphase können wir die
ersten Tiere einsetzen.

So wie sich Pantoffeltierchen
schnell in jedem Aufguss mit pflanzlichem Material einfindet,
tauchen auch Bakterien und andere Mikroorganismen im Aquarium auf.
Im Verlauf der nächsten zwei bis drei Monate wird sich ein
Gleichgewicht einstellen, das typisch für das Aquarium ist. Es
ergibt sich aus der Kombination vieler Faktoren: Kies, Art
der Pflanzen, Futtermenge, Futterzusammensetzung (Rohfaser,
Eiweiß, Fett), Tierbesatz, Rhythmus der Wasserwechsel und
Wasserwerte des Wechselwassers.
Es sammeln sich organische Reste im Boden und im Filter an: Mulm. Nun werden
heterotrophe Nitrifizierer den größten Teil der Umwandlung
von Ammonium zu Nitrat machen. Sie nutzen
Energie und Kohlenstoff aus organischem Material, gewinnen aber keine
Energie
aus der Umwandlung des Stickstoffs. Sie besiedeln die Filtermaterialien
und den Bodengrund. Es sind nun auch andere Mikroorganismen da, die am Abbau und Umbau von Stoffwechselprodukten der Fische und
Pflanzen
beteiligt sind. Darunter sind Schnecken, Würmer, Nematoden,
Amöben,
Pilze und Bakterien. Einige sind autotroph und können sich mit
Hilfe
von anorganischen Stoffen (CO2, SO2, NO2
etc) versorgen. Andere sind heterotroph
und benötigen organisches Material (Cellulose, Zucker,
Eiweiße,
EDTA etc.). Alle diese Mikroorganismen sind wichtig für das
Aquarium! Der Mulm ist der Nährstoffspeicher und die Pufferzone
des Aquariums. Er ist der Grund, warum "Altwasseraquarien" ohne
Dünger und nur mit geringen oder ganz ohne Wasserwechsel
funktionieren, ohne dass die Pflanzen Mangelsymptome zeigen oder die
Tiere krank werden. In einem Altwasseraquarium hat sich ein stabilies
Gleichgewicht eingestellt zwischen dem Nährstoffbedarf der
Pflanzen und dem Eintrag von Nährstoffen durch das Futter. Das
funktioniert aber nur, wenn wir dem Ganzen seinen Lauf lassen. Je mehr
wir das Aquarium nach unseren Wünschen gestalten wollen, desto
mehr müssen wir in das System eingreifen. Beispielsweise gibt es
Pflanzen, die sehr schnell auf bestimmte Nährstoffmängel
reagieren. Wenn wir sie kultivieren möchten, auch wenn unser
Bodengrund zum Beispiel nicht genug Eisen oder Kalium aus dem Mulm
nachliefert, dann müssen wir düngen. Wenn wir es zu
umständlich finden schnell wachsende Pflanzen
regelmäßig zu schneiden und neu zu stecken und deshalb auf
sie verzichten, dann müssen wir häufiger oder mehr Wasser
wechseln um die überschüssigen Nährstoffe aus dem
Aquarium zu entfernen.
Wasserwechsel
Die wichtigste Pflegemaßnahme in der Aquaristik ist der
Wasserwechsel. Abgesehen von den oben erwähnten Altwasserbecken,
die sich selbst regulieren, geraten alle Aquarien im Laufe der Zeit in
eine Nährstoffschieflage. Meist sind Nitrat und/oder Phosphat in
realiv großen Mengen vorhanden, während Kalium, Eisen und
andere Mikronährstoffe schnell verbraucht sind. Der Wasserwechsel
ist der Resteknopf an unserem Aquarium. Wir stellen damit die
Wasserwerte wieder auf einen Startwert ein, von dem aus sie sich bis
zum nächsten Wasserwechsel wieder verändern.
Wöchentlich oder zweiwöchentlich werden zwischen 30 und 80 %
des
Wassers gewechselt. Wie viel und wie oft gewechselt werden muss
hängt vom individuellen
Aquarium ab. Durch die Fütterung bringen wir täglich
Nährstoffe ins
Aquarienwasser. Sie werden von den Fischen, Garnelen, Schnecken,
Würmern und Bakterien genutzt und minalisiert. Ein Teil der
Nährstoffe wird von den pflanzen aufgenommen, ein anderer im Mulm
gespeichert. Überschüsse sammeln sich im Wasser. Besonders
hohe Gehalte an
Nitrat und Phosphat fördern aber Algenwachstum, durch das ein
Aquarium schnell
unansehnlich wird. Pflanzen benötigen diese Makronährstoffe
zum Wachsen und
entziehen sie dem Wasser und dem Substrat. Sie können sie aber
nicht in
unbegrenzter Menge aufnehmen. Was sie nicht verwerten können kommt
den Algen zu
Gute. Daher müssen Überschüsse regelmäßig
durch Wasserwechsel entfernt werden.
Wer viel füttert oder nur wenige oder nur langsamwachsende
Pflanzen wie Farne im becken hat, wird öfter größere
Mengen Wasser wechseln
müssen.
Beim Wasserwechsel werden die im Aquarium gelösten Stoffe nur
verdünnt.
Je höher die Konzentration ist, desto mehr neues Wasser wird
benötigt. Gehen
wir für ein Rechenbeispiel davon aus, das unser Leitungswasser
Nitratfrei ist. Um
zum Beispiel einen Nitratwert von 5 mg/l zu erreichen muss man in einem
Aquarium
mit 10 mg/l die Hälfte des Wassers durch frisches ersetzen. Bei
einer
Ausgangskonzentration von 30 mg/l ist dazu ein 80%-iger Wasserwechsel
nötig.

Die Grafik zeigt die Schwankungen im Nitratgehalt bei einem
wöchentlichen Nitratüberschuss von 10 mg/l.
Mit einem 50%-igen Wasserwechsel kann der Nitratwert auf Dauer konstant
zwischen 10 und 20 mg/l gehalten werden.
Werden nur 25 % des Wassers gewechselt, steigt der Wert stetig an, bis
der Entzug durch den Wasserwechsel, dem
wöchentlichen Nitratüberschuss entspricht. Der Wert pendelt
sich zwischen 30 und 40 mg/l ein.
Bei 40 mg/l Nitrat im Aquarienwasser wird der Wert beim 25%igen
Wasserwechsel jeweils um 10 mg/l reduziert.
Ohne Wasserwechsel würde der Nitratwert innerhalb von 10 Wochen
auf 100 mg/l ansteigen.

Dem Ansteigen des Nitratwertes kann man auf verschiedene Weise entgegen
wirken.
Links ist der Nitratwert in drei aufeinader folgenden Wochen
dargestellt. Der rote
Abschnitt der Säule ist der Überschuss, den die Pflanzen
nicht verwerten können.
Der einfachste Weg, diesen Überschuss zu entfernen ist ein
Wasserwechsel (blauer Abschnitt).
Man kann jedoch auch den Nitratentzug durch mehr und schenller
wachsende Pflanzen fördern.
Das ist links die zweite Säule. Wenn man insgesamt weniger
füttert bzw. weniger Tiere im Becken pflegt,
kann man auch den Eintrag reduzieren und so Entzug und Eintrag in
Gleichklang bringen.
Selbst wenn Nitrat- und Phosphatwert nicht zu hoch sind,
sollte das Wasser trotzdem mindestens 2 wöchentlich zum Teil
gewechselt werden.
Mit dem Frischwasser kommen Minerale wie Calcium und Magnesium ins
Wasser, die
für Fische und Pflanzen wichtig sind. Für eine dauerhaft
erfolgreiche Pflege
von Aquarienpflanzen benötigt man dann nur noch einen
Kaliumhaltigen Flüssigdünger
mit Eisen und Mikronährstoffen. Denn die sind im Leitungswasser
nicht in
ausreichender Menge vorhanden, um die Pflanzen gut zu versorgen.
Pflanzen im Aquarium
Grundsätzlich haben alle Pflanzen die gleichen
Ansprüche.
Sie benötigen Licht, Nährstoffe und Kohlendioxid. Einige
Pflanzen haben aber
größere Toleranzbereiche in Bezug auf Wasserchemie,
Temperatur, Licht und
Nährstoffversorgung. Sie eignen sich gut für
Aquarienanfänger und für jede
Aquarienneueinrichtung. Für ihre dauerhafte Pflege sind keine
speziellen Substrate, Lampen oder eine Anpassung
des pH-Wertes und der Wasserhärte erforderlich sind.
Diese Pflanzenarten sind in ihrem Ausssehen zum Teil anderen Arten
ähnlich, lassen sich aber nicht durch diese ersetzen.
Beispielsweise sehen Cabomba
und Limnophila-Arten sich un
der Unterwasserform ähnlich. Cabomba
caroliniana benötigt aber eie Lichtstärke von etwa
3000 Lux für ihre Grundversorgung. Limnophila sessiliflora nur etwa
430 Lux. Cabomba ist also
kein Ersatz für Limnophila
sessiliflora in einem lichtlimitiertem Aquarium. Egal wie sehr
der Händler darauf besteht, dass sie eine der meistverkauften
Arten ist.
Es werden vom Wuchs her zwei Pflanzentypen unterschieden.
Stängelpflanzen haben aufrechte Triebe an denen die Blätter
sitzen. Sie wurzeln im Grund. Durch Rückschnitt kann man sie in
der Höhe
begrenzen. Sie können darum flexibel im Mittel- und Hintergrund
verwendet
werden. Rosettenpflanzen haben eine gestauchte Sprossachse, so dass die
Blätter
alle aus einer grundständigen Rosette hervorgehen. Ihre Höhe
ist durch die
Blattlänge bestimmt, die art- bzw. sortentypisch ist. Da man sie
nicht auf die
richtige Größe stutzen kann, sind sie nicht so vielseitig
einsetzbar wie
Stängelpflanzen.
Was sind
Aquarienpflanzen?
Als Aquarienpflanzen finden sowohl echte
Wasserpflanzen
als auch Sumpfpflanzen Verwendung. Es handelt sich um krautige,
mehrjährige
Gewächse, die in der Natur an und im Wasser wachsen. Die meisten
Arten
stammen aus den Tropen oder Subtropen, einige wenige aus den warm
gemäßigten
Breiten. Unsere einheimischen Wasserpflanzen bevorzugen kühleres
Wasser
und lassen sich nicht oder nur schlecht bei Temperaturen über
20°C
kultivieren.
Cabomba,
Vallisneria,
Ceratophyllum,
Najas,
Aponogeton,
Nymphaea
und einige andere sind echte Wasserpflanzen. Sie leben
ständig
untergetaucht. Außerhalb des Wassers können sie nicht
existieren.
Trockenzeiten in ihrem natürlichen Lebensraum überdauern sie
als Samen oder ruhen ohne Blätter als Knolle im Boden. Lediglich
die
Blüten werden bei den meisten Arten aus dem Wasser gehoben und von
Insekten oder mit Hilfe des Windes bestäubt. Bei Nix- und
Hornkraut
bleiben sogar die Blüten unter Wasser.
Da die Pflanzen außerhalb des Wassers nicht
wachsen,
werden sie in Teichen kultiviert. Eine gewerbliche gärtnerische
Kultur
in Deutschland ist wegen der Kosten für Licht, Heizung und Wasser
nicht möglich. Deshalb stammen diese Pflanzen nahezu
ausschließlich
aus spezialisierten Pflanzenfarmen in Asien.
Kulturteich in Asien
Echinodorus,
Cryptocoryne,
Myriophyllum,
Alternanthera,
Microsorum,
Bolbitis
und viele andere Aquarienpflanzen sind Sumpfpflanzen. In der Natur
wachsen
sie an Standorten mit wechselndem Wasserstand. Während der
Regenzeiten
sind sie völlig überflutet, sinkt der Wasserstand stehen sie
auf dem Trockenen oder nur noch mit den Wurzeln im Wasser.
Da die Sumpfpflanzen über Wasser problemlos
wachsen,
können sie wie normale Zimmer- oder Balkonpflanzen in Töpfe
gepflanzt
und in Gewächshäusern kultiviert werden. Viele Echinodorus-Sorten,
Speerblätter, Cryptocorynen und auch einige Stängelpflanzen
werden
in In-vitro-Laboren unter
sterilen
Bedingungen vermehrt und dann in Gärtnereien bis zur
Verkaufsgröße
kultiviert. Eine Vermehrung aus Ablegern, durch Teilung oder Stecklinge
ist ebenfalls möglich.
Viele über Wasser gezogene Sumpfpflanzen
verändern
ihr Aussehen, wenn sie ins Aquarium gepflanzt werden. Meistens werden
die
Blätter schmaler, feiner und dünner. Oft verändert sich
auch die Farbe.
Aquarien bepflanzen
Etwa 80 % der Grundfläche eines Aquariums sollte von Anfang
an bepflanzt sein. Nur dann sind die Pflanzen eine starke Konkurrenz
für Algen.
Daher sollte man zu Beginn ausreichend geeignete Pflanzen kaufen und
das Becken sofort
dicht bepflanzen.
Wie viele Bunde oder Töpfe man benötigt hängt von den
gewählten Pflanzen ab. Die Stängel werden alle einzeln in
einem Abstand von 3
bis 5 cm eingepflanzt. Bei Pflanzen mit lockerer Belaubung ist der
Abstand
etwas geringer und bei dichtbelaubten Arten etwas größer.
Auf eine Fläche von 10 x 10 cm können etwa 5 bis 6
Stängel
der Kleinen Ambulia oder 9 bis 10 Stängel Fettblatt oder
Kriechende Ludwigie
stehen. Eine Schwertpflanze braucht schon eine Fläche von 15 x 15
cm. Auch ein gut
angewachsener Wendt´s Wasserkelch benötigt diesen Platz nach
dem Anwachsen. Der
Grasblättrige Wasserkelch und Willis Wasserkelch sind vom Wuchs
schlanker. Die
Pflanzen aus einem einzelnen Topf bedecken etwa 5 x 5 cm
Bodenfläche.
Vor dem Einpflanzen werden Blei und Steinwolle entfernt. Die
Pflanzen werden von einander getrennt und von abgestorbenen Wurzeln
oder
Blättern befreit. Das Abschneiden der Wurzeln ist nicht
nötig. Sie wachsen im
Boden weiter. Zu lange Wurzeln, die man nicht im Substrat unterbringen
kann,
können aber eingekürzt werden. Man kann die
Stängelpflanzen nach Länge
sortieren oder mit einem scharfen Messer auf verschiedene Längen
kürzen um eine
stufige Bepflanzung anzulegen. Die einzelnen Stängel sollten aber
nicht zu kurz
sein, da die Pflanzen aus ihrer Masse Energiereserven mobilisieren
müssen um
neue Wurzeln zu bilden und weiter zu wachsen. Zu kurze Stecklinge
wachsen darum
schlecht an. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur
Bepflanzung gibt es auf dieser
Seite.
Umstellung auf die Unterwasserkultur
In
Aquarienpflanzengärtnereien werden die meisten Pflanzen über
Wasser kultiviert. Das ist aber für die spätere Kultur im
Aquarium unproblematisch. Viele unserer Aquarienpflanzen stammen aus
Lebensbereichen am Rande von Gewässern. Sie verbringen darum
abhängig vom Wasserstand in ihrem Lebensraum jedes Jahr einige
Wochen oder Monate an Land und den Rest des Jahres unter Wasser.
Bei der Umstellung auf die submere Kultur machen die Pflanzen
abhängig von Art oder Sorte Veränderungen durch. Die
ursprünglichen Landblätter bleiben auch unter Wasser in ihrer
Form überwiegend gleich. Bei einigen Pflanzen, z. B. beim
Flutenden Pfeilkraut (Sagittaria
subulata), strecken sich die Blätter. Bei Wasserkelchen und
Froschlöffeln werden manchmal die Blattstiele länger. Die
meisten anderen Pflanzen stoßen ihre alten Blätter aber
einfach ab, während sie Unterwasserblätter bilden. Manchmal
sterben die alten Blätter schneller ab, als neue gebildet werden
können. Darum ist es möglich, dass an einem Froschlöffel
nach ein bis zwei Wochen nur noch wenige Blätter sind. Das ist
jedoch kein Grund zur Sorge. Die ursprünglichen Blätter sind
an die Bedingungen unter Wasser nicht angepasst. Ihnen fehlt zum
Beispiel ein ausreichend großes System an Luftgefäßen
(Aerenchym), dass für submerse Pflanzen zur Sauerstoffversorgung
notwendig ist. Darum werden die in den emersen Blättern
enthaltenen Nährstoffe von der Pflanze in das Rhizom, die Knolle
oder den Stängel zurückgezogen und die Blätter
abgestoßen. Dabei werden zuerst die älteren Blätter
gelblich. Das lässt sich auch mit zusätzlicher Düngung
nicht vermeiden. Die Pflanzen passen sich an die veränderten
Bedingungen an und verwachsen mit dem Boden.
Die Pflanze wird direkt nach der Pflanzung einen großen Teil
ihrer Energie in die Bildung von Wurzeln stecken. Das ist notwendig um
ausreichend Halt und Nährstoffe zu finden. Erst wenn die Pflanze
gut angewachsen ist beginnt eine verstärkte Produktion von
Blättern. Bei den meisten Froschlöffeln verläuft dieser
Prozess recht schnell. Innerhalb von einem Monat können sechs oder
mehr neue Unterwasserblätter gebildet werden. Bei
vierundzwanzigstündigem Dauerlicht können es auch 15 bis 20
neue Blätter sein. Das hängt aber stark von der Art oder
Sorte ab. Diese Entwicklung wird durch eventuelles Umpflanzen
unterbrochen, weil die Pflanze erneut Reservestoffe aus den
Blättern entzieht um neue Wurzeln zu bilden.
Auch Stängelpflanzen mobilisieren zunächst Nährstoffe
aus ihren älteren Blättern um Wurzeln zu bilden. Der Verlust
der unteren Blätter ist darum normal. Die älteren
Blätter vor dem Pflanzen zu entfernen, schwächt die Pflanze
und zwingt sie Nährstoffe aus jüngeren Blättern zu
entziehen. Darum sollten nicht mehr als die unteren zwei oder drei
Blattpaare entfernt werden, falls diese sonst beim Stecken mit in den
Boden gelangen und faulen würden. beschädigte oder faulende
Blätter werden natürlich aber entfernt.
Veränderung der Blattformen
Während
sich
die Pflanzen auf
die Bedingungen des Unterwasserleben einstellen, verändern viele
ihre Blattform
und auch ihre Farbe zum Teil sehr stark. Diese Veränderung der
Blattform, die durch
einen Wechsel in den äußeren Bedingungen hervorgerufen wird,
heißt Heterophyllie.
Teilweise sind die
Veränderungen bei der Umstellung so stark, dass die
Überwasser- und die
Unterwasserform sich nicht ähneln. Besonders deutlich ist das beim
Indischen
Wasserwedel (Hygrophila difformis) zu
sehen. Die Unterwasserblätter sind bis zu 10 cm lang und tief
geschlitzt. Die
Überwasserblätter sind kleiner, eiförmig mit gezahntem
Rand und filzig behaart.
Auch die Rundblättrige Rotala (Rotala
rotundifolia) verändert sich stark. Die namensgebenden runden
Blätter hat
die Pflanze nur über Wasser. Dann sind sie rund, grün und
fettig glänzend. Die
Unterwasserblätter sind länglich und rosa-rot. Das
Amerikanische
Kammblatt (Proserpinaca palustris) ändert
ebenfalls
die Form und Farbe seiner Blätter. Die Überwasserblätter
sind grün und haben
einen gezahnten Rand. Unter Wasser sind die Blätter
kammförmig und rot-orange.
Auch die
Kleefarne (Marsilea sp.) verändern sich
während der
Umstellung manchmal so stark, dass sie nicht wieder zu erkennen sind.
Die
Überwasserblätter haben bis zu 30 cm lange Stiele auf denen
vier Blattsegmente
sitzen. Die Pflanzen sehen also aus wie ein typischer Glücksklee. Unter Wasser sind die Stiele nur noch 3 bis 8
cm lang und die Spreiten sind dreizählig fiederteilig oder
löffelförmig.
Diese Veränderung ist normal und durch Veränderungen im
Hormonhaushalt der Pflanzen bedingt.

Links ist die Überwasserform und
rechts die Unterwasserform von Echinodorus
"Rubin"
Im Winter hat die Überwasserform sehr kurze Blattstiele und die
Blätter liegen flach auf dem Substrat.
Der Schnitt
Nur wenige Stängelpflanzen wie Pogostemon
helferi, Styrogyne repens und Hygrophila pinnatifida
wachsen unter Wasser kriechend oder bilden
kriechende Seitentriebe. Die meisten Stängelpflanzen erreichen
schnell die
Wasseroberfläche, wenn sie richtig wachsen. Einige Arten wie Limnophila aquatica oder Hygrophila corymbosa
wachsen aus dem
Wasser heraus, andere wie Heteranthera
zosterifolia oder Zosterella
dubia wachsen einfach flutend weiter. Lässt man die
Pflanzen so
wachsen bilden sie zum Teil sogar Blüten.
Stängelpflanzen müssen also
regelmäßig gekürzt werden. Abgesehen
davon, dass wir mit dem „Rückschnitt“ den Bewuchs wieder unseren
ästhetischen
Ansprüchen anpassen, entfernen wir mit den Pflanzenteilen auch die
darin
enthaltenen Nährstoffe aus dem Aquarium. Würden wir die
Stängel und Blätter im
Aquarium verrotten lassen würden die Nährstoffe wieder im
Aquarienwasser
landen. Daher ist es wichtig auch alte und absterbende Blätter aus
dem Aquarium
zu entfernen.
„Rückschnitt“ ist beim Gärtnern im
Aquarium nicht unbedingt
der richtige Ausdruck. Wir verjüngen unseren Bestand. Da sich die
vitalsten und
jüngsten Teile an der Triebspitze befinden, interessieren sie uns
beim
Schneiden besonders. Wir nutzen sie als Kopfstecklinge. Diese
Stecklinge dürfen
nicht zu kurz sein. Sie müssen zunächst aus ihrer eigenen
Masse Nährstoffe
mobilisieren um neue Wurzeln bilden zu können. Wenn der Steckling
zu kurz ist,
stirbt er ab. Wir ernten darum die oberen Stängelabschnitte in dem
wir sie mit
einem scharfen Messer auf eine Länge von etwa 10 bis 20 cm
abschneiden. Auf
diese Weise erhalten wir Vermehrungsmaterial, wie wir es auch als
Bundpflanze
einkaufen würden.
Je nach dem wie lang der Stängel insgesamt
ist, kann man den
nun kopflosen unteren Teil des Triebes in weitere Teile zerlegen und so
auch
Teilstecklinge gewinnen. Den unteren bewurzelten Teil kann man stehen
lassen,
da er oftmals aus einer Blattachsel einen Seitentrieb bildet.
Allerdings wächst
dieser neue Trieb nur dann zufrieden stellend, wenn man ihm ausreichend
Platz
und Licht einräumt und er noch nicht fault.
Geschnitten wird immer zwischen zwei Blattknoten.
An ihnen
bildet die Pflanzen je nach Bedingungen Wurzeln oder Seitentriebe. Es
muss sich
beim Stecken später mindestens ein Blattknoten im Substrat
befinden, damit sich
die Wurzeln von dort im Boden ausbreiten können.
Geschickt ist es, wenn man oberhalb eines
Seitentriebes
schneidet. Dann hat der untere Teilsteckling bereits eine Triebspitze
und
entwickelt sich schnell weiter.
Zum Schneiden benutzt man immer ein scharfes
Messer. Dieses
wird mit einem langen Schnitt ohne Druck durch den Stängel gezogen
ohne ihn zu
quetschen. Stumpfe Messer, Scheren oder gar die Fingernägel
führen zu
Quetschungen am unteren Stängelende. Dieses ist aber im Bodengrund
besonders
stark zersetzenden Mikroorganismen ausgesetzt. Ein glatter Schnitt
erleichtert
das Heilen der Verletzung und damit das Anwachsen unseres Stecklings.
Das Längenwachstum wird durch hohe
Temperaturen und ein
großes Angebot an Stickstoff beschleunigt. Für die meisten
Pflanzen sind
Temperaturen von 22 bis 25 °C günstig. Sie wachsen auch bei
höheren
Temperaturen, benötigen dann aber mehr Licht und Nährstoffe.
Bei Lichtmangel
„vergeilen“ die Triebe. Das bedeutet, dass sich die Abschnitte zwischen
den Blättern (Internodien) strecken.
Die
Blätter sind dann meist klein und die Stiele dünn. Unser
Schwachlichtbecken sollte darum etwa bei 24 bis 25 °C laufen.
Mangelsymptome und Frassschäden
Manchmal bilden sich in den Blättern von Aquarienpflanzen
Löcher. Meistens werden sofort die Schencken verdächtigt. Sie
sind aber so gut wie nie die Verursacher der Löcher. Einer der
häufigsten Schäden ist der Gitterfrass durch Harnischwelse
wie dem Antennenwels. Diese Tiere werden Anfängern oft zur
Algenbekämpfung verkauft. Allerdings fressen die Tiere keine
Kieselalgen, Blaualgen oder Pinzelalgen. Stattdessen zerstören sie
mit ihrem stetigen Geraspel die Oberfläche der Blätter und
skelettieren sie.
 |

Die Welse ruhen auf den
Blätter und schaben
dabei ständig daran herum.
Das Ergebnis sieht dann so aus.
|
Durch Nährstoffmängel kommt es zu Nekrosen. Diese
abgestorbene Material wird tatsächlich von Schencken gefressen.
Die Löcher bilden sich aber auch, wenn keine Schnecken im becken
sind und Bakterien oder Pilze das tote Material verwerten. Die Ursache
kann zum Beispiel Kalium-Mangel sein. Aber auch bei Stickstoffmangel
zerfallen oft viele ältere Blätter auf einmal. Informationen
zu Mangelsymptomen und Düngung sind auf der Seite über Pflanzenernährung
zu finden. Im
Aquarium treten selten Schädlinge an den Pflanzen auf. Aber bei
den emers gezogenen neu gekauften Pflanzen kann man teilweise Spuren
von Pilzen oder Insekten finden. Darum gibt es natürlich auch eine
Seite über Schädlinge
an
Aquarien- und Teichpflanzen.
weiterführende Informationen:
I. Scheurmann (2001): Pflanzen fürs
Aquarium,
Gräfe
und Unzer, München
T. Titz (2002): Grundkurs Aquarienpflanzen.- Ulmer
Verlag,
Stuttgart
Wilstermann-Hildebrand, M. (2007): Stickstoff und Phosphat
im Aquarium.- Aquarium live 1/07, 26-32
Wilstermann-Hildebrand, M. (2009): Die biologische Funktion
von Pflanzen im Aquarium.- Aquarium live Juni/Juli (3)/2009, 36-41
Wilstermann-Hildebrand, Maike
(2010): Polymorphismus bei Aquarienpflanzen.- Amazonas 31, 54-57
Wilstermann-Hildebrand, M.
(2010): Pflege von Stängelpflanzen.- Amazonas 32, 50-53
Wilstermann-Hildebrand,
M.,
Hildebrand C. (2011): Aquarienpflanzen für Einsteiger.- Amazonas
36, 70-73
© Wilstermann-Hildebrand 2010 - 2011