Muscheln sind in der Süßwasseraquaristik nicht
sehr weit verbreitet. Tatsächlich eignen sich die meisten Arten auch
nicht zur Pflege in Aquarien. Teich- oder Flussmuscheln können zum
Beispiel eine ganze Weile überleben, sterben dann aber über kurz
oder lang, weil entweder im Sommer die Temperatur im Aquarium längere
Zeit über 30°C steigt oder weil sie nicht ausreichend Nahrung
bekommen.
Muscheln filtrieren ihre Nahrung aus dem Atemwasser und
haben in mulm- und algenfreien Becken ohne eine gezielte Fütterung
mit Feinfutter aus der Pipette kaum eine Chance. Zerriebenes Trockenfutter
wird oft nicht angenommen, sondern wieder ausgestoßen. Algensuspensionen
oder gelöste, frische Hefe eignen sich besser. Es ist möglich
die Muscheln für eine solche Fütterung ab und an in ein separates
Becken zu setzen, damit das Futter nicht das Wasser im Zimmeraquarium trübt.
Muscheln gehören wie die Schnecken zu den Mollusken.
Sie haben zwei, meist annähernd gleich geformte Schalenklappen, die
durch ein elastisches Band, das Ligament, mit einader verbunden sind. Nahe
dem Ligament sitzt der als Wirbel bezeichnete Gehäuseteil. Um diesen
Bereich ziehen sich die konzentrischen Wuchslinien. Der Wirbel ist der
älteste Schalenbereich. Oft ist er deutlich von der übrigen Schale
abgesetzt.
Der Weichkörper der Muschel besteht hauptsächlich
aus den Muskeln mit denen das Gehäuse verschlossen wird, den Kiemen,
dem Verdauungstrakt und einem flexiblen, zungenförmigen Fußmuskel.
Der Fuß dient der Muschel dazu sich in den Boden einzugraben und
sich in begrenzten Maße fortzubewegen. Einige Muscheln können
durch auf- und zuklappen der Schalen einen Wasserstoß erzeugen und
so schwimmen. Am Mantelrand sitzen auf fransigen Anhängen und dazwischen
Sinneszellen. Es handelt sich um Chemosensoren und mehr oder weniger gut
ausgeprägte Augen.
Das weiße Gewebe links am Rand ist der Fuss.
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Die Teichmuschel geht genauso vor. |
Bei dieser Malermuschel sind die zwei Siphone
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Einige Arten sind Zwitter, andere getrenntgeschlechtig.
Oft werden winzige Larven freigesetzt, die eine Weile schwimmen und dann
zum Bodenleben übergehen. Bei einigen Arten leben die Larven einige
Wochen oder Monate als Parasiten auf der Haut oder an den Kiemen von Fischen.
Andere Arten behalten ihre Eier in Bruttaschen an den Kiemen und setzen
voll entwickelte Jungtiere frei.
In Deutschland gibt es etwas mehr als 30 Süßwassermuscheln.
Davon stehen 22 Arten auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten
Arten. 12 dieser Arten sind Erbsenmuscheln (Pisidium sp.).
Körbchenmuscheln (Corbicula
sp.) sind kleine kugelige Muscheln. Sie sind weltweit verbreitet und kommen
auch in Deutschland vor. Insgesamt wurden 450 Arten aus dem Süß-
und Brackwasser beschrieben. Sie besiedeln Hafenbecken, Flussmündungen
und größere Flüsse. In Seen kommen sie nur im sauerstoffreichen
Uferbereich vor. Unter günstigen Bedingungen können mehr als
1000 Tiere pro Quadratmeter leben. Laut GRABOW (2001) sollen im Delta-Mendota-Kanal
in Kalifornien 131.000 Tiere pro Quadratmeter gezählt worden sein.
Oft werden Gewässer in Kraftwerknähe besiedelt.
In Deutschland kommen zwei Arten vor. Sie haben dicke,
gelbliche bis braune Schalen. Der Wirbel ist auf der Mitte der Gehäuselänge.
Die Schalen sind dadurch in etwa symmetrisch.
Corbicula fluminea ist eine auf Süßwasser
beschränkte Art. Die Außenseite der Schalen ist bei dieser Art
fein gerillt. Die Innenseite der Schalen ist weiß bis bläulich.
Die Lebenserwartung der Tiere beträgt drei Jahre. Sie haben auf dem
Wirbel einen violetten Strich. Der Wirbel ist das Zentrum um das sich die
konzentrischen Zuwachslinien bei Muschelschalen bilden. Er liegt am Ligament
- dem Band, das die zwei Schalenhälften verbindet.
Corbicula fluminalis hat kräftige Rippen
auf der Schale. Sie wird etwa 20 bis 28 mm lang, 20 bis 26 mm hoch und
14 bis 21 mm dick. Sie kommt auch in Brackwasser vor. Die Larven
entwickeln sich an den Kiemen des Muttertiers bis zum Stadium des Pediveligers.
Dieses Stadium hat bereits eine Schale. Es werden also "fertige" Muscheln
freigesetzt. Die Tiere können zehn Jahre alt werden.
Beide Arten sind Simultanzwitter, produzieren also gleichzeitig
Eizellen und Samen. Sie können durchschnittlich 8.000 Jungtiere pro
Jahr hervorbringen. Während der Reproduktionsphase können täglich
zwischen 90 und 570 Larven frei gesetzt werden. Diese Larven parasitieren
nicht an Fischen. Für die Fortpflanzung sind Temperaturen von 18 bis
19 °C nötig. Geschlechtsreif sind die Tiere bereits ab einer Schalenlänge
von 6,5 bis 13 mm. Die Letaltemperaturen liegen unterhalb von 2 °C
und oberhalb von 43 °C.
Beide Arten besiedeln sandige, kiesige, felsige und schlammige
Substrate mit ausreichend Sauerstoffgehalt.
Sie können gut in Kaltwasser- und in Tropenaquarien
gehalten werden, in denen viel gefüttert wird. Ansonsten müssen
sie ab und an mit Hilfe einer Pipette mit feinem Futter versorgt werden.
Im Aquarium wird manchmal eine bisher nicht eindeutig
identifizierte Asiatische Körbchenmuschel gepflegt.
Die Tiere pflanzen sich nur sehr spärlich im Aquarium fort, sind aber
wie die zwei oben beschriebenen Arten lebendgebärend. Die Tiere benötigen
kiesigen Bodengrund von mindestens 3 oder 4 cm Höhe, damit sie sich
gut eingraben können.
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Diese kleine Körbchenmuschel aus Asien, kann gut
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In Australien ist die Australische Körbchenmuschel (Corbiculina australis) zum Teil ein Problem. Die Tiere werden bis zu 2 cm groß. Die Jungtiere sind aber so klein, dass sie durch die Filtersiebe von Kühlwasserleitungen passen. Sie besiedeln die Rohre und können den Wasserfluss so stark behindern, dass wirtschaftliche Schäden entstehen. Wir haben einige der kleinen Muscheln im Mullumbimby Creek im Norden von New South Wales gefunden. Dort lebten die Tiere in einer Randzone des Gewässers, in der sich große Mengen von Falllaub gesammelt hatten. Obwohl die verrottende Pflanzenmasse Gase bildete lebten die Muscheln an der Trennzone zwischen dem zersetzen und dem frischen Laub.
Die kleinen, durchscheindenen Muscheln sind sehr zerbrechlich. |
Den Körbchenmuscheln sehr ähnlich
sind die Erbsen- und Kugelmuscheln (Sphaeriidae). Die Gewöhnliche
Kugelmuschel (Spaerium corneum) wird bis 1,2 cm lang, 1 cm hoch
und 0,8 cm dick. Ihre dünnwandigen Schale ist gelblich grau bis dunkelbraun,
rundlich oval und hoch aufgewölbt. Ihr breiter, aber wenig vorspringender,
Wirbel ist etwa in der Mitte. Die Tiere leben in Stillgewässern und
Fließgewässern mit schwacher Strömung. Sie sind Zwitter
und lebendgebärend. Die Eier entwickeln sich zuerst in Bruttaschen
an den Kiemen und bleiben dann noch eine Weile in der Kiemenhöhle.
Diese Art ist in Europa recht häufig. Es gibt aus der Gattung aber
noch drei weniger häufige Arten.
Bei der Häubchenmuschel (Musculium lacustre)
ist der Wirbel in der Schalenmitte und deutlich abgesetzt. Er ist erhöht
und wirkt etwas wie eine aufgesetztes Häubchen. Das flache, dünnwandige,
weißlich-graue Gehäuse ist 0,7 bis 1,0 cm lang, 0,7 bis 0,8
cm hoch und 0,4 bis 0,5 cm dick. Die Art ist in stehenden und fleißenden
Gewässern Europas nicht selten.
Die Große Erbsenmuschel (Pisidium amnicum)
ist etwas so groß wie die Häubchenmuschel. Sie wird 0,7 bis
1,1 cm lang, 0,5 bis 0,8 cm breit und 3,5 bis 6 mm dick. Der Wirbel ist
bei allen Arten der Gattung deutlich hinter der Schalenmitte. Das feste
Gehäuse ist gelblich bis grau braun. Auf der Oberfläche sind
deutlich unregelmäßig dicke, konzentrische Wuchslinien. Die
Art lebt aus Sand in strömendem Wasser von Bächen, Flüssen
und Seen. Es gibt etwa 16 Arten der Gattung in Europa.
Kugel- und Erbsenmuscheln haben einen langen Fuß,
der es ihnen ermöglicht auch auf Pflanzen herumzuklettern.
Die Wandermuschel oder Dreikantmuschel
(Dreissena polymorpha) kommt in fließenden und stehenden
Gewässern in Europa und Nordamerika vor. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet
umfasst die Zuflüsse des Schwarzen und des Kaspischen Meeres. Wie
die Körbchenmuscheln wird sie durch den Schiffsverkehr verbreitet.
Sie lebt aber nicht frei in sandigen oder kiesigen Substraten, sondern
haftet sich, zum Teil in großen Kolonien, mit Hilfe von Byssusfäden
an festen Substraten an. Sie benötigen ebenfalls Nahrung, die sie
aus dem Wasser filtrieren können. Bei Temperaturen über 20°C
erleiden sie vermutlich starken Sauerstoffmangel und sind darum kaum im
Aquarium zu halten. Ich selbst konnte die Tieren nur in ungeheizten Aquarien
auf der Fensterbank länger als 14 Tage halten.
Die Tiere sind getrenntgeschlechtig. Ihre Schalen sind
- von der Seite betrachtet - typisch dreikantig, mit einem ausgeprägten
Kiel. Die Grundfarbe der Schalen ist ein helles Braun. Darüber liegen
gebogene und gezackte, dunkelbraune bis schwarze Linien. Die sehr festen
Gehäuse werden bis 4 cm lang, 1,8 cm hoch und 2 cm dick. Diese Muschel
kommt im Süß- und Brackwasser vor. Im Sommer werden freitreibende
Larven abgegeben. Diese gehen aber bereits nach 8 Tagen zum Bodenleben
über. Erst leben sie auf weichen Substraten und heften sich dann später
an Holz oder Steinen fest. Die Tiere werden etwa 5 bis 10 Jahre alt.
Die Muscheln können Abwasserrohre und Wasserzuleitungen
von Kraftwerken verstopfen. Sie heften sich auch an andere Muscheln und
an Schnecken an. Diese werden in ihrer natürlichen Bewegung gestört
und haben einen höheren Wasserwiderstand.
Weil die Tiere stark filtrieren nehmen sie große
Mengen von Schadstoffen aus dem Wasser auf. Das macht sie zu guten Monitoring-Organismen
für Gewässerverschmutzung.
Teichmuscheln (Anodonta cygnea)
werden
bis 20 cm lang, 12 cm hoch und 6 cm dick. Sie wiegen bis zu 1 Kilogramm.
Die Tiere können durchaus bei Temperaturen um 22 bis 24 °C gehalten
werden. Sie müssen jedoch ausreichend Futter zur Verfügung haben,
was bei den Filtrierer schwierig ist. Sie setzen Larven frei, die mehrere
Monate an den Flossen von Fischen parasitieren. Die Tiere leben in schlammigen
Substraten von stehenden Gewässern.
Die Teichmuschel ist die größte einheimische
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Die Tiere graben sich etwa zu einem
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Die Malermuschel (Unio pictorum)
ist ist mit 9 cm Länge, 4 cm Höhe und 3 cm Dicke deutlich kleiner
als die Teichmuschel. Der Ober- und der Unterrand der Schale verlaufen
fast parallel. Die Tiere kommen in stehenden und langsam fließenden
Gewässern vor. Sie sind meist getrenntgeschlechtig. 300.000 bis 400.000
Larven entwickeln sich etwa vier bis sechs Wochen an den Kiemen des Weibchens.
Dann werden im Sommer die etwa 0,25 mm große Larven mit dem Atemwasser
ausgestoßen und sinken zu Boden. Bodenlebende Fische kommen bei der
Nahrungssuche mit den Larven in Kontakt. Diese haken sich an deren Kiemen
fest und werden von den Kiemenlappen umwachsen. Nach etwa drei bis zehn
Wochen lösen sich die kleinen Muscheln von den Fischen. Geschlechtsreif
werden sie im Alter von etwa drei bis vier Jahren. Ihre Lebenserwartung
beträgt etwa sieben bis zehn Jahre. Diese Muschel ist selbst Wirt
für die Eiablage des Bitterlings (Rhodeus sericeus amarus).
Das Gehäuse der Malermuschel ist mehr als
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Malermuscheln graben sich bis über die Hälfte
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Literatur:
H.-J. Paepke (1985): Das Tümpelaquarium.- Neumann Verlag Leipzig
M. Ludwig und andere (2000): Neue Tiere und Pflanzen in der heimischen Natur.- BLV Verlagsgesellschaft mbH
K. Grabow (2001): In 80 Jahren um die Welt.- DATZ 1/2001, 70-72
H. W. Ludwig (2003): Tiere und Pflanzen unserer Gewässer.- BLV Verlagsgesellschaft mbH, München
© Wilstermann-Hildebrand 2009