heimbiotop-newsletter                                      Nr. 19 / April 2009

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News

Wirbellose: Paludomidae

Pflanzenportrait: Ottelia ulvaefolia

Web-Tipp des Monats: Zwischen Gartenteich und Feuchtbiotop

Vorschau auf den nächsten Newsletter

Impressum




News: Nichts Neues
Wir sind vermutlich nicht die Einzigen, die auf etwas wärmeres, stabileres Wetter hoffen. Vorausgesetzt, dass sich diese Hoffnungen erfüllen, werden wir nach Ostern wieder eine größere Auswahl an Tieren anbieten und versenden.

Aquaristische Grüße von
Maike Wilstermann-Hildebrand & Cord Friedrich Hildebrand



 

Wirbellose: Paludomidae
Die Familie der Paludomidae gehört wie so viele andere zu den Nadelschnecken (Ceritoidea) und damit zu den „Turmdeckelschnecken“ im Aquarium.
Zu dieser Familie gehören verschiedene Gattungen.  In Afrika gibt es zum Beispiel  Lavigera, Potadomoides, Tanganyica und Thiphobia. Paludomus, zu denen eine unserer Aquarienschnecken gehört, stammt aus Asien. Einige Arten in der Familie sind lebendgebärend. Dazu gehören die Tiphobia-, Lavigeria- und die Tanganyicia- Arten.
Aquaristisch bekannt ist bisher nur die Gattung Paludomus. Sie umfasst 34 Arten (plus 30 in vier Untergattungen), von denen zwei Arten kurze Zeit aus Asien
importiert worden sind. Die meisten Arten kommen auf Sri Lanka vor, sind aber auch in anderen Gebieten Asiens beheimatet. Diese Tiere sind mit ihrem fast kugeligen Gehäuse eher untypisch für die Familie.
Mit der Teufelsschnecke oder Marmorschnecke (Paludomus loricata) gelangte vor einigen Jahren die erste Art der Familie in europäische Aquarien. Sie wird möglicherweise schon eine ganze Weile in Europa in Aquarien gehalten, wurde aber erst etwa 2004 auch nach Deutschland importiert. Die Gehäuse sind dunkelbraun bis schwarz. Es sind deutliche Spiralrippen ausgebildet, die
in regelmäßigen Abständen zu kegeligen Knoten verdickt sind. Die Gehäusehöhe beträgt 26 bis 30 mm und die Breite 23 bis 25 mm. Das Operculum ist klonzentrisch mit einem randständigen Kern. Es ist etwa 15 mm lang und 10 mm breit.
Der Weichkörper ist schwarz. Am Mantelrand befinden sich etwa 10 bis 15 orangerote Falten. Die Augen haben die gleiche Farbe. Vermutlich hat sie von der schwarz roten Farbgebung und diesen „Hörnern“ am Gehäuserand auch den unpassenden deutschen Namen „Teufelschnecke“ erhalten. Die Fühler sind rund, kurz und spitz zulaufend.
Die Schnecke frisst Algenaufwuchs und Futterreste. Sie ist nicht in jedem Aquarium haltbar. Manchmal sterben die Tiere bereits nach wenigen Tagen oder Wochen. Die Ursache konnte bisher nicht festgestellt werden. Es lässt sich aber vermuten, dass Nahrungsmangel in der Zeit vom Sammeln in Asien bis zum Verkauf in Deutschland der Grund ist.

 

P. loricata im Aquarium 

Gehäuse und Operculum von P. loricata

Bei der selten gehandelten „Bella“ handelt es sich vermutlich um Paludomus chilinoides. Sie stammt aus Sri Lanka. Dort lebt sie in schnell fließenden Bächen auf Felsen. Ihre Gehäuseoberfläche ist ebener als die von Paludomus loricata. Die Grundfarbe ist ein gelbliches braun mit dunkleren, rötlich braunen Flecken. In der Natur sind die Tiere aber oft durch Ablagerungen schwarz gefärbt. Der Körper ist blau-schwarz mit orangeroten Flecken an der Schnauze, am Fußrand und an der Sohle. Die Augen und die zahlreichen, feinen Mantelfalten sind ebenfalls orange.
Die Temperatur sollte um 25°C und der pH-Wert zwischen 5 und 6 liegen. Das entspricht den Werten ihrer natürlichen Lebensräume.
Die Arten aus der Gattung Paludomus sind ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich der Wirbellosenmarkt wandelt. Insgesamt waren die Tiere nur wenige Monate im Handel zu finden und wahrscheinlich erinnert sich kaum noch jemand an sie. Sie sind wieder verschwunden, ohne dass eine Nachzucht oder auch nur ein Erfahrungsbericht über ihre Haltung bekannt wurde.
 
 


Pflanzenportrait: Ottelia ulvaefolia

Die Ottelien sind echte Wasserpflanzen, die man nicht über Wasser kultivieren kann. Sie gehören zu den Hydrocharitaceae (Froschbissgewächse) und sind trotz ihres völlig anderen Aussehens mit Vallisnerien und Wasserpest verwandt.

 

Männliche Blüte von O. alismoides  

Weibliche Blüte von O. ulvaefolia

Die Ulvablättrige Ottelia stammt aus Afrika. Sie bildet zunächst bandförmige Jugendblätter. Die folgenden Blätter sind lang gestielt. Die Spreiten können 20 bis 45 cm lang und 6 bis 10 cm breit werden. Sie sind lanzettlich bis linealisch und mehr oder weniger stark gewellt. Sie laufen spitz zu. Sie sind transparent hell grün und haben ein hübsches Muster aus Querstreifen.
Ottelien blühen auch im Aquarium oft und reichlich. Manchmal bildet eine Pflanze drei oder vier Blüten gleichzeitig. Die Kronblätter sind gelb. Sie werden beim Aufblühen durch den sich streckenden Griffel über die Wasseroberfläche gehoben. Der Fruchtknoten bleibt unter Wasser in einer abgeflachten, ovalen Spatha. Die Blüten öffnen sich nur für wenige Stunden.
Ottelien sind sehr weich und druckempfindlich. Außerdem trocknen sie sehr schnell aus. Der Transport aus Asien zu uns ist darum sehr schwierig und führt eigentlich immer zu einem Totalverlust der Blätter. Die Pflanzen werden dann hier eine Weile kultiviert, bis sie wieder belaubt sind und gehen erst dann in den Handel. Leider nehmen sie die neuerlichen Transport, die Wasserveränderungen und das Umpflanzen wieder sehr schlecht hin und verlieren meist die Blätter erneut. So sehen die Pflanzen im Händlerbecken erbärmlich aus und finden nur sehr selten Abnehmer. Allerdings treiben die Pflanzen im heimischen Aquarium ohne Probleme aus den Herzstücken wieder aus und entwickeln sich überraschend schnell zu sehr großen kräftigen Pflanzen.
Die Pflanze wächst gut in weichem bis mittelhartem Wasser, solange genug freies Kohlendioxid und Licht zur Verfügung stehen. Eine zusätzliche Kohlendioxiddüngung schadet nicht, ist aber auch nicht notwendig. Ein nährstoffreicher Bodengrund soll es für die wüchsigen Pflanzen aber sein.
Die Wassertemperatur kann zwischen 21 und 28 °C liegen. Ich habe den Eindruck, dass niedrigere Temperaturen – um 24 °C herum - der Pflanze mehr zu sagen, kann das aber nicht mit Bestimmtheit sagen. Die Ottelia wächst gut bei einem pH-Wert zwischen 5 und 7.
Man kann die Pflanzen auch in Aquarien mit 25 cm Wasserstand pflegen. Allerdings fluten dann die langen, breiten Blätter unter der Wasseroberfläche und beschatten so andere Pflanzen im Aquarium. Um die schönen Blätter gut zu sehen sollte man einen Wasserstand von ca. 70 cm haben. Leider stehen die Pflanzen bei uns in einem sehr flachen Becken, so dass es unmöglich ist sie vernünftig zu fotografieren.
 
 

Flutendes Blattspreite im Aquarium
rechts: Blattspitze von O. ulvaefolia

Es lohnt sich einen Versuch mit dieser schönen Art zu machen, auch wenn die Pflanzen im Handel nicht besonders gut aussehen. Obwohl sie zu den Raritäten zählt, ist die Ulvablättrige Ottelie nämlich eine sehr gute und unkomplizierte Aquarienpflanze.
 
 


Web-TIPP des Monats: Zwischen Gartenteich und Feuchtbiotop

„Die Flora und Fauna in und rund um einen naturnahen Folienteich während der vier Jahreszeiten“ stellt Günter Stanjek auf seiner Internetseite vor.

Die unglaubliche Datenfülle erschließt sich dem Besucher erst nach einiger Zeit, so dass es sich wirklich empfiehlt hier auf den verschiedenen Ebenen zu stöbern.

Von der Startseite aus kann man auf vier Wegen durch das umfangreiche Material surfen. Über das „Inhaltsverzeichnis“ kommt man schnell zu den Hauptthemen wie „Der Teich während der vier Jahreszeiten“, „Bachlauf, Pumpen und Probleme“ oder reichlich Informationen zu Tieren und Pflanzen am Teich (Wasserschnecken, Algen, Libellen etc.). Wer Interesse bekommt sich so einen Naturteich in Natura an zusehen, der kann auf Übersichtskarten von Deutschland und Österreich Standorte von naturnahen Garten- und Schulteichen finden.
Der Einstieg über „Biodiversität“ führt den Besucher über die Systematik an den Teich. Bakterien, Algen, Wimperntiere, Schlauchwürmer, Insekten, Lurche und viele andere werden hier mit Text und zum Teil sogar in animierten Bildern vorgestellt.
Über das „Stichwortverzeichnis“ findet man schnell die gesuchten Pflanzen und Tiere, wenn man den lateinischen oder den deutschen Namen kennt.
Unter dem Stichwort „Mikroskopie“ findet man dann die Mikrofauna und Mikroflora im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter.

Überall auf dieser Internetseite trifft man auf besonders beeindruckende mikroskopische Aufnahmen, die einen Eindruck von der Vielfältigkeit der Mikroorganismen im und am Teich geben.

Eine wunderschöne Seite. Schauen sie rein – das stöbern und staunen lohnt sich!

Zu finden unter: http://www.hydro-kosmos.de
 
 
 


Vorschau auf Newsletter Nr. 20 / Mai 2009:

Stichwort: Allelopathie
Immer wieder hört oder liest man, dass man verschiedene Pflanzen nicht zusammen kultivieren kann, weil sie sich gegenseitig mit ihren Ausscheidungen vergiften. Aber was ist da wirklich dran?

Wirbellose: Schlammschnecken (Lymnaeidae)
Die Schlammschnecken unterscheiden sich sehr von den bislang vorgestellten Familien. Als Lungenschnecken sind sie in der Lage atmosphärische Luft zu atmen und so auch in sauerstoffarmen Gewässern zu überleben. Außerdem sind sie Zwitter.

Pflanzenporträt: Seegrasblättriges Trugkölbchen (Heteranthera zosterifolia)
Diese wunderschöne Stängelpflanze gehört zu den weniger komplizierten Arten, ist aber dennoch ziemlich unbekannt. Wir fragen uns warum das so sein muss.
 
 


Impressum:

Der heimbiotop-newsletter ist ein Informationsblatt der
Heimbiotop GbR
Inhaber: Maike Wilstermann-Hildebrand und Cord Friedrich Hildebrand

Zum Emstel 16B
48231 Warendorf/Müssingen

v.i.S.d.P.  Maike Wilstermann-Hildebrand und Cord Friedrich Hildebrand
 

Erscheinungsdatum von Newsletter Nr. 19: 1.4.2009


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