Pachychilidae



Besuchen Sie uns bei Facebook.

digg.comLinkarenafavoriten.degoogledel.icio.usMr. WongFolkd

Startseite

Zurück zu den Schnecken

 

Zur Familie der Pachychilidae zählen 11 Gattungen. Bei diesen Schnecken ist das Operculum ist multispiral mit mehr oder weniger zentralem Nukleus. Die Mitglieder der Familie kommen in Amerika, Afrika inklusive Madagaskar und in Asien vor. Die Arten aus einigen asiatischen Gattungen sind lebendgebärend.
   

Gattung Jagora
Jagora asperata

 


Gattung Tylomelania
Tylomelania patriachalis
 Tylomelania spec. "Donnerkeil"
Tylomelania spec. "Yellow"
Tylomelania spec. "Orange"


Gattung Brotia

Es gibt etwa 30 Arten in der Gattung. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Nordindien bis Thailand und Sumatra. Alle Arten sind in einzelnen Flüssen endemisch. Das heißt sie kommen nur dort vor. Es gibt Arten die in ihren Flüssen überall vorkommen. Einige Arten sind innerhalb der Flüsse aber auch nur auf die Oberläufe beschränkt und sehr selten. Diese können durch das Sammeln für den Aquarienhandel in ihrem Bestand ernsthaft gefährdet werden. Die Vermehrungsraten bei den Brotia-Arten ist deutlich geringer als bei den uns bisher bekannten "Turmdeckelschnecken".
Brotia-Arten sind getrenntgeschlechtig. Die Männchen übertragen Spermatophoren (Pakete aus Spermien) in die Körper der Weibchen. Diese legen ihre Eier in eine Bruttasche in ihrem Nackenbereich ab. Dort entwickeln sich die Eier und die Jungtiere schlüpfen. Dann werden die Jungtiere ins Freie entlassen.
Für die Vermehrung sind Tiere von beiden Geschlechtern nötig. leider kann man die Geschlechter äußerlich nicht unterscheiden. Man benötigt darum immer mehrere Tiere für eine Zuchtgruppe. Ob die Nachzucht im Aquarium aber überhaupt möglich ist, ist unklar. In der natur werden Paarung und Geburt durch den Monsun gesteuert. Die Weibchen bringen nur einmal im Jahr - zu Beginn der Trockenzeit - Junge zur Welt. Wie viele Jungtiere ein Weibchen frei setzt hängt mit ihrer Größe und der Art zusammen. Es sind manchmal nur 10, in anderen Fällen bis zu 200 Jungtiere. Diese sind 2 bis 4 mm groß.
Köhler (2007) schlägt vor für die Nachzucht saisonale Schwankungen zu simulieren. Ab Oktober könnte man zum Beispiel die Temperatur und den Leitwert senken (Regenzeit). Ab Februar dann die Temperatur anheben und den Leitwert erhöhen (Trockenzeit). Bisher gibt es keine Berichte über längerfristige Aquarienhaltung oder Nachzuchten von Brotia im Aquarium. Es wurden bisher lediglich Jungtiere frei gesetzt, die sich bereits beim Sammeln in der Bruttasche befanden.
Stark durchströmte Beckenbereiche und Sauerstoff haltiges Wasser sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Haltung von Brotia-Arten. Das Wasser darf nicht mit Stickstoffverbindungen belastet sein und muss ausreichend Salze enthalten. Die Temperatur sollte auf Dauer 25°C nicht übersteigen.
Die Tiere weiden Biofilme von festen Oberflächen. Sie bevorzugen es sich auf Steine, Holz oder der Aquarienscheibe fortzubewegen. Sie suchen aber auch manchmal im Substrat nach Nahrung. Sie filtriren auch nahrung aus dem Wasser und leiten es in einen Schleimfaden eingeschlossen über eine Rinne an der rechten Fußseite zum Maul. Pflanzen werden nicht angefressen.
 
  


Brotia armata (Brandt 1968)


Die Art lebt endemisch im Kaek River in Westthailand. Der natürliche Lebensraum sind schnellfliessende Flussabschnitte, Stromschnellen über Felsbarrieren, oberhalb von Wasserfällen. Das dickwandige Gehäuse festwandig und turmförmig mit bis zu drei nicht gewölbten Windungen. Sie haben eine bis drei Spiralreihen mit zum Teil spitzen Knoten. Die Gehäuse adulter Tiere sind 26 – 38 mm hoch und 18 – 24 mm breit. Die Opercula sind oval mit bis zu vier Windungen die in der Größe zunehmen. Außen ist das Gehäuse braun und innen weiß. Der Körper ist bräunlich mit graunen Marmorierungen. Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 2 bis 2,5  mm groß und haben eine glattes Gehäuse. In der Natur werden vermutlich nur einmal im Jahr Jungtiere geboren. Im Aquarium kann man das ganze Jahr über Nachwuchs finden.

Hauptnahrung der Tiere sind Algen. Im Aquarium werden auch Fischfutter, Kaninchenpellets und weiches Gemüse gefressen.
Die Tiere pflanzen sich das ganze Jahr über im Aquarium fort. Sie gelten als die pflegeleichteste Art der Gattung.


 
Brotia armata
Brotia armata

Seitenanfang


 

Brotia herculea (Gould 1846)

Diese Schnecke kommt im Irrawaddy, Chindwin, dem Saluen (mit dem Moei) und dem Chao Praya (mit den Flüssen Ping und Nan) in Myanmar und im nordwestlichen Thailand vor. Das dicke Gehäuse der Herkules-Turmdeckelschnecke kann fast 10 cm hoch und 3,5 cm breit werden. Es hat bis 12 Windungen. Die Windungen sind mehr oder weniger stark gewölbt. Manchmal ist die Oberfläche glatt und manchmal sind deutliche Axialrippen zu sehen. Das Operculum ist multispiral mit zentralem Nukleus. Die Radula kann bis 3 cm lang sein mit etwa 180 Querreihen von Zähnen. Die Farbe des Körpers variiert von dunkelgrau bis schwarz, der Fuß ist meist etwas heller.
Die Art bevorzugt klares Wasser und lebt auf steinigen, sandigen oder schlammigen Böden und Wurzeln sowie unter Blättern im Wasser. Sie lebt von verrottendem Pflanzenmaterial und Detritus.
Die Schnecke hält sich gut im Aquarium. In der Natur werden vermutlich nur einmal im Jahr Jungtiere geboren. Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 2 bis 2,5  mm groß und haben eine glattes Gehäuse.  Im Aquarium kann man das Ganze Jahr über Nachwuchs finden.
Da die Tiere sich überwiegend am Boden aufhalten sollte die Grundfläche des Beckens nicht zu klein sein. Ein Becken ab 60cm-Kantenlänge ist für 5 bis 6 Tiere ausreichend. Sandboden, größere Steine. Mulm und Algen sollten vorhanden sein. Man sollte darauf achten, dass sie sich mit ihrem sperrigen Gehäuse nicht an Dekogegenständen einklemmen kann. Da die Tiere in der Lage sind, einen Teil ihrer Nahrung aus dem Wasser zu filtrieren, sollte regelmäßig Staubfutter gereicht werden. Für die Tiere wäre ein Artenbecken wünschenswert. Nahrungskonkurrenz vertragen sie nur sehr bedingt! Eine Vergesellschaftung mit ruppigen Fischen, die an den Fühlern zupfen, ist nicht zu raten. Die Tiere würden zugedeckelt herumliegen und verhungern. Adulte Tiere sind deutlich inaktiver als Jungtiere.
Wie alt die Tiere sind, wenn sie in der Natur gesammelt werden, kann man schlecht schätzen. Im Aquarium können sie drei Jahre oder länger leben.

 

Brotia herculea
Brotia herculea

 
Seitenanfang



Brotia pagodula (Gould 1847) - Pagodenschnecke


Diese Art lebt endemisch im Maenam Moei (Thoungyin River), einem Grenzfluss zwischen Myanmar und Thailand.  Charakteristisch ist ein festwandiges, turmförmiges Gehäuse mit kräftigen Dornen. Diese Schnecken sind aber recht variabel und es sind schmal und breite Formen mit und ohne Dornen bekannt. Diese lassen sich an ihrem Äußeren unterscheiden, sind aber genetisch nicht eindeutig von einander getrennt, so dass sie nicht als eigenständige Unterarten oder gar Arten identifizierbar sind. Bei dem meisten Tieren sind die Gehäuse 30 – 36 mm hoch. Selten werden die Schnecken 45 mm oder größer.
Der Körper ist grau mit gelb-braunem Muster.

Die Tiere leben in der Natur in stark strömenden Gewässerabschnitten auf Felsen von denen sie Algen abweiden. Da die Tiere sich überwiegend am Boden aufhalten sollte die Grundfläche des Beckens nicht zu klein sein. Ein Becken ab 60 cm-Kantenlänge ist für 5 bis 6 Tiere ausreichend. Sandboden, größere Steine. Mulm und Algen sollten vorhanden sein. Man sollte darauf achten, dass sie sich mit ihrem sperrigen Gehäuse nicht an Dekogegenständen einklemmen kann. Unverzichtbar sind starke Strömung und hoher Sauerstoffgehalt! Die Temperatur sollte zwischen 20 und 25°C liegen.

Neu importierte Schnecken haben eine hohe Sterblichkeit. 80 - 90 % sterben nach dem Einsetzen ins Aquarium. Die Tiere sind wohl vom Transport so geschwächst, dass sie nicht einmal Nahrung annehmen und innerhalb weniger Tage oder Wochen sterben. Tiere die sich eingewöhnen können mehrere Jahre im Aquarium leben. In der Natur pflanzen sich die Schnecken nur einmal im Jahr fort. Die Jungtiere sind 2 bis 3 mm groß. Im AQuarium frei gesetzte Jungschnecken haben eine hohe Sterblichkeit. Möglicherweise fehlt ihnen das richtige Futter.

Sie nehmen fast alle weichen Futtersorten an. Ein regelmäßige Zusatzfütterung mit Chlorella-Pulver scheint ihnen gut zu tun. Sie filtrieren das Futter aus dem Wasser. Es wird oft der Zusatz von Heilerde (Löß oder Tonpulver) zum Futter empfohlen. Möglicheriwese helfen die Mineralien beim Zerreiben der Nahrung oder neutralisieren Schadstoffe. Sie schaden den Tieren zumindest nicht.

Futtersuche
auf Futtersuche

Beim richtigen Futter werden die Tiere
sehr aktiv. Hier bekommen sie eine Mischung
aus Artifical Plankton und Chlorella.

Brotia pagodula

Die meiste Zeit ruhen die Tiere.
Brotia pagodula


Seitenanfang





Faunus ater - Kupfer-Riesenturmdeckelschnecke

2008/2009 wurden diese Tiere zum ersten Mal nach Deutschland importiert. Obwohl sie auch mit den diobolischen Namen "Teufelsdorn" oder "Teufelsschnecke" bezeichnet werden, sind sie schnell sehr beliebt geworden.
Das schwarz-braune Gehäuse ist schmal turmförmig mit nur wenig gewölbten Windungen. Die Naht ist deutlich zu sehen. Ausgewachsene Tiere haben 18 bis 20 Windungen. Die Oberfläche zeigt feine Wachstumslinien. Die Gehäuse werden etwa 85 mm hoch und 20 mm breit. Im Schnitt sind sie etwa 6 cm hoch. Die Mündung ist oval. Der Mundsaum hat am oberen und am unteren Rand eine Kerbe. Das Operculum ist oval mit subzentralem Nukleus.
 

 

Faunus ater

Faunus ater im Aquarium.

Portrait von faunus ater

Der Körper ist grau-schwarz mit weißen Flecken.

Faunus ater an der Scheibe
Faunus ater

Die Mündungsinnenseite ist gelb-braun.

Das Verbreitungsgebiet der Tiere reicht von Indien, Sri-Lanka, Myanmar, Singapore, Indonesia und China bis zu den Philippinen, New Guinea, den Pazifischen Inseln, und Nord-Australien. Die Schnecken leben auf schlammigem Grund in Flüssen, Gräben und Seen. Sie kommen auch in salzhaltigem Wasser von Gezeiten beinflussten Flussmündungen vor. Teilweise liegen sie bei Niedrigwasser auf dem Schlamm. Es kommen manchmal mehrere hundert Tiere auf einem Quadratmeter vor.
Auf den Gehäusen findet man Gelege von Neritidae. Bei den Schnecken aus dem Brackwasser haften manchmal sogar Austern an. Die Art ist die einzige in der Gattung (monophyletisch).

Die Tiere sind in der Haltung anspruchslos, lassen sich aber nicht im Aquarium vermehren. Das Weibchen legt Eier aus denen, wie bei den Neritidae,  schwimmende Larven schlüpfen. Die Larven treiben mit der Strömung ins Brackwasser- oder ins Meer und entwickeln sich dort zu Jungschnecken, die ins Süßwasser zurück kehren. Eine Nachzucht im Aquarium ist daher nicht möglich.

Als Nahrung eignen sich Fischfutter, weiches Gemüse und Kanichenpellets. Die Schnecken graben sich gerne im Substrat ein und suchen dort vermutlich auch nach Nahrung. Sie sind überwiegend nachtaktiv. Werden sie aber nicht von Fischen oder anderen Tieren gestört, kann man sie auch tagsüber sehen. Sie steuern gezielt Futterquellen an und bleiben dort bis nichts mehr zu holen ist.

In einigen asiatischen Ländern (Philippinen, Thailand) werden die Schnecken gegessen. Das ist nicht unbedingt gesund. Eine Studie in Malysia hat ergeben, das die Tiere große Mengen an Schwermetallen einlagern können. Im Eingeweidesack von untersuchten Faunus ater wurden Kupferkonzentrationen von 159,1 bis 290,2 μg/g Trockenmasse gefunden. Blei, Nickel und Cadmium lagern sich im gehäuse stärker ab als im Fleisch.



Gattung Jagora

Diese Gattung von lebendgebärende Schnecken aus Südostasien umfasst nur zwei Arten auf den Philippinen: J. asperata und J. dactylus.


Jagora asperata

Bei der abgebildeten Schnecke handelt es sich wahrscheinlich um Jagora aperata. Die Art wurde 1822 als Melania asperata beschrieben und 2002 von Köhler und Glaubrecht als Typusart in die neue Gattung Jagora überführt. Synonyme sind unter anderem Melania philippinarum und Brotia asperata. Das abgebildete Tier hat ein dunkelbraunes, turmförmiges Gehäuse mit 6 Windungen und ist 50 mm lang und 18 mm breit. Auf den älteren Windungen sind deutliche Axialrippen. Auf der Körperwindung sind sie schwächer. Spiralrippen sind nur undeutlich auf den jüngeren Windungen zu sehen. Der Apex fehlt. Das Operculum ist multispiral. Es kann tief in die Mündung zurück gezogen werden. Die Fühler sind fadenförmigen. Die breite Schnauze ist rüsselartig verlängert. Der Körper ist grau bis rauchschwarz.
 
 

Fagora asperata

Die Tiere dieser Art können bis zu 12 Windungen ausbilden, haben im Schnitt aber etwa 8. Der Gehäuseaußenwinkel beträgt etwa 25° (schmal konisch). Die Farbe variiert von einem gelblichen Braun über oliv zu dunkelbraun. Der Apex fehlt oft oder ist zumindest erodiert. Auf den älteren Windungen sind deutliche Axialrippen ausgeprägt, auf den jüngeren werden sie schwächer und Spiralstrukturen treten in den Vordergrund. Die Mündung ist oval und hat keine Siphonalrinne. Im Schnitt sind die Gehäuse 48,5 mm hoch und 17,3 mm breit (KÖHLER & GLAUBRECHT 2002). Die Opercula sind multispiral mit drei bis fünf Windungen. Der Körper ist dunkelgrau, teilweise mit hellen Flecken. Die Augen befinden sich an der Basis der Fühler. An der rechten Kopfseite neben dem Fühler endet die Genitalrinne, die von der Geschlechtsöffnung ausgeht. Die taenioglosse Radula ist etwa 25 mm lang und besteht aus etwa 130 bis 220 Querreihen. In den untersuchten Populationen waren in dere Regel etwas mehr Weibchen (ca. 57 %) als Männchen zu finden. Die Männchen sind aphallisch. Die Weibchen tragen Eikapseln und Jungtiere in ihrer Mantelhöhle. Bei einem Weibchen, dass im November 1975 auf den Philippinen gefunden wurde, enthielt die Mantelhöhle 275 Jungtiere. Im März 2000 konnten dagegen weder Eikapseln noch Jungtiere in den Weibchen gefunden werden. Vermutlich gibt es eine Brutsaison. Die Art kommt im nördlichen Teil der Philippinen vor (Luzon, Samar und einige kleinere Inseln). Die Tiere besiedeln kleine Bergflüsse mit sandigem Bodengrund. Man findet sie im Sand vergraben oder an Pflanzen. Sie fressen Detritus und Algen, teilweise im Spritzwasserbereich von Wasserfällen auch oberhalb der Wasseroberfläche.Die zweite Art der Gattung ist Jagora dactylus. Sie unterscheidet sich äußerlich wenig von der vorherigen. Die Unterteilung in zwei Arten erfolgte durch eine Genanalyse. Die Gehäuse von J. dactylus können bis zu 12 Windungen aufweisen. Im Schnitt (KÖHLER & GLAUBRECHT 2002, 38 Tiere) sind sie 47 mm hoch und 15,5 mm breit. Der Außenwinkel beträgt etwa 25°. Im März 2000 wurden mehrere Weibchen mit Jungtieren oder bis zu 90 Eiern in der Mantelhöhle gefunden. Die Eier haben eine Größe von einem mal anderhalb Millimeter. Jeweils vier bis zehn dieser Eier sind in Eikapseln zusammengefasst. Diese Art kommt auf den südlichen Philippineninseln (Bohol, Cebu, Guimeras und Siquijor) vor.
 
 

Seitenanfang


Gattung Pachychilus

Pachychilus ater - Venezuelanische Turmdeckelschnecke

Die Venezuelanische Turmdeckelschnecke (Pachychilus ater) wurde 1994 von einem Aquarianer aus Berlin vom Rio Orituco in Venezuela mitgebracht. Das Gehäuse dieser Art ist mit Tuberkeln bedeckt und dunkel rotbraun. Die Spitze des Gehäuses wird mit zunehmendem Alter abgebaut. Vermutlich werden sie mittlerweile nicht mehr in Aquarien gehalten.
Die Pachychilus-Arten legen Eier.
 
 

Seitenanfang


 

Pachychilus spec.

Vor einigen Jahren wurden Schnecken mit sehr festen großen, turmförmigen Gehäusen aus Südamerika importiert. Diese Tiere haben hoch gewundene, feste Gehäuse. Der Apex fehlt zum Teil. Einige Schalen haben mehr oder weniger große Skulpturen, wie Tuberkel und Rippen. Der untere Teil der Mündung ist etwas zu einer flachen breiten Lippe ausgezogen, bildet aber niemals eine Siphonalrinne. Die spiralen Opercula sind oval bis rund. Ihr Kern ist mehr oder weniger im Zentrum. Die Genitalöffnung ist auf der rechten Körperseite hinter dem Fühler. In der Statocyste finden sich zahlreiche Statoconien. Die Radula ist taeniogloss. Es werden 11 Gattungen zu dieser  Familie gezählt. Brotia, Pseudopotamis, Jagora, Adamietta, Paracrostoma, Sulcospira, Tylomelania sind lebendgebärend. Pachychilus, Doryssa, Potadoma und Melanatria legen Eier.
In Südostasien leben Arten der Gattung Brotia (z.B. Java, Borneo, Sumatra, Malaysia, Thailand), Tylomelania (Sulawesi), Adamietta (Thailand) und Jagora (Philippinen). In Indien findet man Paracrostoma - Arten. Sulcospira sp. kommen auf Java, Madagaskar, im kontinentalen Afrika und Südamerika vor. Melanatria sp. gibt es auf Madagaskar und Potadoma-Arten auf dem afrikanischen Festland. Pachychilus und Doryssa stammen aus Mittel- und Südamerika. Die Bezeichnung für diese Familie wurde bereits 1857 eingeführt, trotzdem ist sei fast völlig unbekannt.
 
 

Pachychilus

Pachychilus sp. aus Braslien

Pachychilus

Pachychilus sp. aus Braslien

Die Arten aus der Gattung Pseudopotamis sind für die Aquaristik uninteressant. Da aber eine gute Beschreibung von ihnen vorliegt, werden sie hier als Beispiel aufgeführt. Die Arten dieser Gattung leben endemisch auf den Inseln in der Torresstraße. Diese liegen zwischen Australien and Neuguinea. Es gibt nur zwei bekannten Arten mit sehr kleinen Verbreitungsgebieten. P. supralirata kommt nur auf der Prince of Wales Insel vor (10°40' Süd, 142°10' Ost). Ihr Gehäuse wird bis etwa 24 mm hoch und 9,5 mm breit. Es hat gewinkelte Windungen mit schwachen Spiralfurchen. Davon sind aber zwei unterhalb der Naht deutlichen hervorgehoben. Die Mündung ist etwa 7 mm hoch und 5 mm breit. Der Außenwinkel der Gehäuse schwankt zwischen 10 und 30°. Im Mittel liegt er bei etwa 20°. Das Tier ist grau bis schwarz mit hellen Pigmentflecken. Die Fußsohle ist weiß. Die Genitalöffnung ist als schmale graue Linie an der rechten Körperseite sichtbar. Sie verläuft vom Mantelrand zum rechten Fühler. Die Jungschnecken haben bei ihrer Geburt eine  Größe von bis zu 6,5 mal 3,5 mm und bereits 5 Windungen. Melania supralirata und Pseudopotamis finchi sind Synonyme für diese Art. Die andere Art ist Pseudopotamis semoni. Sie lebt nur auf der Hammond Insel. Das Gehäuse ist schwarz. Bei ihr sind die Windungen runder und die Spiralskulptur ist gleichmäßiger. Der Apex fehlt in der Regel. Es verbleiben drei bis 6 Windungen. Die Gehäusehöhe erreicht etwa 22 mm, die Breite rund 9 mm. Der Außenwinkel liegt zwischen 10 und 20°, im Mittel bei etwa 18°. Beide Arten behalten ihre Eier bis zum Schlupf in einer Art Uterus, einer sackartigen Ausstülpung des Eileiters. Bis zu drei Jungtiere befinden sich hier gleichzeitig. Ursprünglich wurde die Gattung zu den Thiaridae (oder Melaniidae) gezählt. Neuere morphologische und molekulare Untersuchungen haben ergeben, dass sie zu den Pachychilidae gehört. Diese sind nur mit dieser einen Gattung in Australien vertreten.
 
 

Seitenanfang


Gattung Tylomelania

Die Arten aus der Gattung Tylomelania ist in den letzten Jahren (seit 2008) neu in die Aquaristik eingeführt worden. Es gibt in der Gattung etwa 50 Arten. Sie kommen auf Sulawesi in Malili-Seen-System vor. Das ganze Jahr über hat das Wasser dort etwa 26 bis 28 °C. Auch im Aquarium hat sich die Haltung der Tylomelania-Arten in wärmerem Wasser bewährt.
Die Arten haben sich jeweils an die Lebensweise auf Holz, Stein oder Schlamm angepasst. An Hand typischer Merkmale ihrer Radula lassen sich die Arten den entsprechenden Lebensweisen zuordnen. Im Aquarium suchen aber alle Arten gleichermaßen am Boden wie auf Hartsubstraten nach Nahrung.
Die Tiere sind lebendgebärend und entlassen etwa 1,5 mm große Jungschnecken aus ihren Bruttaschen. Die Bruttaschen sind Erweiterungen des Eileiters.



Tylomelania patriachalis

Die Gehäuse sind turmförmig und haben mehrere Spiralreihen aus Tuberkeln. Sie sind bis zu 10 cm hoch und 3,5 cm breit.  Die Tiere im Aquarium sind meist kleiner.
Interessant ist das Tier wegen seines schwarzen Körpers mit den zahlreichen weißen Punkten. Es gibt auch eine Form mit gelben Flecken, die als T. patriachalis sp. "Yellow" angeboten wird.
Die Art stammt aus dem Matanosee auf Sulawesi. Dort kommt sie auf Schlamm vom Flachwasser bis in etwa 40 m Tiefe vor.
 
 
 

Tylomelania patriachalis
Tylomelania patriachalis

Seitenanfang





   Tylomelania perfecta (Mousson, 1849) "Donnerkeil"


Die Schnecke stammt aus einem Zufluss des Poso-See in Sulawesi. Typisch sind die dicken Kalkauflagerungen der Wildfangtiere. Das Gehäuse selbst ist hell braun mit wenig gewölbten Windungen und mehreren feinen Spiralrippen. Der Körper ist grau bis schwarz mit feiner heller Punktzeichnung.


"Donnerkeil" an der Aquarienscheibe






Tylomelania spec. "Yellow" oder Neongelbe Tylomelania

Tylomelania sp. „Yellow“ ist eine bisher unbeschriebene Art aus dem Salopa-Fluß. Das ist ein nordöstlicher Zufluss zum Poso-See.
Bei ausgewachsenen Tieren ist das turmförmige Gehäuse etwa 5 bis 6 cm hoch. Die Windungen sind etwas gewölbt und deutlich von einander abgesetzt. Auf der Oberfläche sind Spitalrillen. Die Farbe variiert von hell bis dunkel braun. Den farbigen Trivialnamen haben die Tiere von ihrem leuchtend gelben Körper. Den haben auch die Jungtiere schon, die bei ihrer Geburt etwa 5 mm groß sind. Bei ihnen ist aber das Gehäuse glatter. Die Windungen sind nicht gewölbt und die Spiralrillen weniger ausgeprägt.
Die Haltung ist unkompliziert. Bei 24 bis 30 °C und GH 4 bis 20 leben die Tiere problemlos im Aquarium. Sie fressen Fischfutter und auch Kaninchenpellets. Ob Salat, Gurke und anderes frisches oder überbrühtes Gemüse gefressen wird, weiß ich nicht - habe ich nie probiert.
Die Tiere können mit anderen Schnecken, Garnelen und kleineren Fischen gut vergesellschaftet werden. Es gibt aber Hinweise, dass eine Hybridisierung zwischen den Tylomelania-Arten vorkommen kann.
Anders als die Malaiische Turmdeckelschnecke (Melanoides tuberculata) vermehren sich diese Tiere nicht schnell. Sie vermehren sich nicht parthenogenetisch. Die Weibchen werden von Männchen befruchtet. Da man die Geschlechter äußerlich nicht unterscheiden kann, sollte man für eine Zuchtgruppe mindestens sechs Tiere haben.
Die neue Tylomelania spec. „Yellow Mini“ sind Jungtiere dieser Art.
 
 

Tylomelania Yellow

Die Tiere sind sehr gemütlich und bewegen sich nur 
um in die Nähe von Futterquellen zu kommen.

Tylomelania Yellow

Jungtier im Aquarium

Seitenanfang



  


Tylomelania spec. "Orange"

Diese Art ist wie die T. spec. "Yellow" bisher unbeschrieben. Sie stammt aus dem Poso-See (Sulawesi). Ihr Gehäuse ist turmförmig, 5 bis 7 cm lang, 18 - 20 mm breit, dunkel braun, hat Spiralrillen und Axialrippen. Der Körper ist kräftig orange. Die Schnecke gehört zu den Arten, die in der Natur auf Hartsubstraten (Holz und Stein) leben. Im Aquarium scheinen sie sich auch bevorzugt auf festen Flächen auf zu halten. Sie suchen aber auch auf dem Kies und Sand nach Futter. Untersuchungen des Mageninhaltes haben Kieselalgen und Sand zu Tage gefördert. Fischfutter, Gemüse und Aas werden gefressen.
In ihrem natürlichen Habitat haben die Tiere ganzjährig eine Temperatur von 27 bis 29 °C. Sie sollten auch im Aquarium nicht zu kühl gehalten werden.
Die Vermehrungsrate ist gering. Das Weibchen setzt wohl nur ein Jungtier im Monat frei. Dieses ist bei seiner Geburt etwa 1 mm groß. Meine Tiere sind überwiegend nachtaktiv.
 

Tylomelania orange
Tylomelania orange
Tylomelania orange



 

Literatur:

A. Francis, S. L. Lok, W. F. Ang, P. X. Ng, Beatrice Y. Q. Ng, S. K. Tan (2011): Status and Destribution of Faunus ater (Linnaus, 1758) (Mollusca: Ceritioidea) in Singapore.- Nature ins Singapore  4: 115–121

Frank Köhler  & Matthias Glaubrecht (2002): Morphology, reproductive biology and molecular genetics of ovoviviparous freshwater gastropods (Cerithioidea, Pachychilidae) from the Philippines, with description of a new genus Jagora.- Zoologica Scripta 32 (1), 35-39

F. Köhler, T. van Rintelen, A. Meyer, M. Glaubrecht (2004): Multiple origin of viviparity in southeast asian gastropods (Cerithioidea: Pachychelidae) and ist evolutionary implications.-  Evolution, 58(10), 2004, pp. 2215–2226

Frank Köhler (2007): Pagodenschnecken-Friedfertige Exoten im Aquarium.- Caridina 2/2007 18-21

T. von Rintelen, K. von Rintelen, M. Glaubrecht (2010): The Species Flocks of the Viviparous Freshwater Gastropod Tylomelania (Mollusca: Cerithioidea: Pachychilidae) in the Ancient Lakes of Sulawesi, Indonesia: The Role of Geography, Trophic Morphology and Color as Driving Forces in Adaptive Radiation.- In: Glaubrecht, M. (ed.), Evolution in action. Case studies in adaptive radiation, speciation and the origin of biodiversity. Special volume from the SPP 1127 “Radiations – Genesis of Biological diversity” of the DFG, pp. 485-512. Heidelberg (Springer).

Yap, C. K., Hisyam, M.N.D. Edward, F. B., Cheng, W.H. , Tan, S.G. (2010): Concentrations of Heavy Metal in different Parts of the Gastropod, Faunus ater (Linnaeus), collected from Intertidal Areas of Peninsular Malaysia.- Pertanika J. Trop. Agric. Sci. 33 (1): 45 - 60


© Wilstermann-Hildebrand 2010 - 2011