Plagegeister und Aliens



Besuchen Sie uns bei Facebook.

digg.comLinkarenafavoriten.degoogledel.icio.usMr. WongFolkd
Startseite

Zurück zu Aquarienpflanzen

In jedem Aquarium tauchen früher oder später Tiere oder Objekte auf, deren Herkunft man sich nicht gleich erklären kann. Auf dieser Seite werden ein Paar davon vorgestellt. Im Boden und Filter lebende Würmer und andere Organismen sind auf der Seite über Mulm im Aquarium zusammen gefasst.
 
 

Bewegliche Objekte

Würmer

 
Dendrocoelum lacteum

Die Milchweisse Planarie
(Dendrocoelum lacteum)

findet man nicht im Aquarium.

Dugesia austroasiatica

Die weißen, kleinen
Dugesia austroasiatica
sind 

in Aquarien häufig. Sie fressen auch Fischfuttereste und Aas, vermehren
sich schnell und sind
eine Bedrohung für Garnelen und kleine Schnecken.

Brune Planarie

Diese kleinere, braune Planarie kann
man sich
mit Schnecken ins Aquarium einschleppen. Die Tiere saugen sich zum Beispiel in der Lungenhöhle von Schlammschnecken fest.

Zu den lästigsten Plagegeistern im Aquarium gehören die Planarien (Stamm Plathelminthes, Klasse Turbellaria). Sie sind schleimig und bewegen sich gleitend fort. Dabei verändert sich ihre Form nicht wesentlich. Meistens haben sie einen keilförmigen Kopf. Sie haben nur ein Paar Augen, die oft in weiße Flächen eingebettet und gut sichtbar sind. Alle Planarien sind Räuber, die kleinere Wassertiere erbeuten. Sie können sich aus Körperteilen regenerieren und ihre Eier isn gegen die meisten chemischen Substanzen resistent. Das ist zwei der Gründe warum sie sehr schwer zu bekämpfen sind. 
Die links oben abgebildete Milchweisse Planarie (Dendrocoelum lacteum) wird man nicht im Aquarium finden. Es kommen in Europa etwa 70 Arten der Gattung vor. Die Tiere sind an kühle Gewässer angepasst und überleben die Temperaturen im tropischen Aquarium nicht. Die Strichzeichnung am Rand sind Verzweigungen des Darms. Das Vordende ist abgestumpft. Zwischen den Augen befinden sich zwei sehr kurze, gnubbelige Tentakel, die das Vorderende aber nicht überragen. Die Tiere sind schnell und beweglich und können darum auch flinke Beutetiere (Wasserasseln und Bachflohkrebse) erbeuten. Es werden Verdauungssäfte in die Beute injeziert, die das Gewebe verflüssigen. Danach wird das Opfer ausgesaugt. Diese Tiere sind mit bis zu 2,6 cm Körperlänge deutlich größer als die üblichen weißen Planarien im Aquarium.

Die weißlichen Planarien im Aquarium sind 1 bis 1,2 cm lang und etwa 1,5 mm breit. Ihr Kopf ist abgerundet dreieckig. Die Augen sind als dunklen Flecken sichtbar, die von einem unpigmentierten Hof umgeben sind. Sie treten oft in Massen auf und sind eine Gefahr für Schneckennachwuchs und Garneleneier. Von einem asiatischen Wissenschaftler sind solche weißen Planarien einmal als Dugesia austoasiatica bestimmt worden.


EgelEgelEgelEgel
EgelegelEgelEgel
EgelEgel

Fortbewegung von Egeln
 

Im Aquarium treten nicht nur Planarien auf. Selten kommen auch Egel vor. Sie haben wie die Planarien eine wurmförmige Gestalt. Sie gehören aber zu den Ringel- und nicht zu den Plattwürmern - sind also näher mit den Regenwürmern als mit den Planarien verwandt. 
Sie sind nicht schleimig, sehr fest und lassen sich sehr schwer zerteilen. Sie können sich nicht regenerieren. Die Tiere haben zwei Saugnäpfe. Einer befindet sich am Kopf, der zweite am Hinterende. 
Egel haben eine oft als "spanneraupenartig" beschrieben Form der Fortbewegung. Die kleinen Bilder links zeigen diesen "Egelwalk". Der hintere Saugnapf dient dem Tier als Halt, während es nach einer neuen Position sucht. Dann streckt sich der Körper und der vordere Saugnapf heftet sich an den Untergrund. Der Körper wird nachgezogen und der hintere Saugnapf nahe dem vorderen aufgesetzt. Dabei krümmt das Tier den "Rücken". Der vordere
Saugnapf wird gelöst und sucht nach neuem Halt für den nächsten Schritt.
Stylaria lacustris

Stylaria lacustris an der Aquarienscheibe

Selten treten in Aquarien kleine, dünne weiße Würmer auf, die sich vor allem in der Nacht an den Scheiben sammeln. Sie bewegen sich fort in dem sie sich wie Gummibänder strecken und wieder zusammenziehen. 
Bei diesen Tieren handelt es sich um Stylaria lacustris. Die Tiere gehören zu den Würmern und zwar in die Unterklasse der Wenigborster (Oligocheata). Sie sind Verwandte von Regenwurm und Schlammröhrenwurm (Tubifex). Die Tiere werden bis 1 cm lang und haben einen Durchmesser von weniger als einem halben Millimeter. Typisch ist der lange, bewegliche Fühler am Vorderende. Die Tier können gut schwimmen, leben aber im Schlamm von stehenden Gewässern und Flüssen. Dort fressen sie Aufwuchsalgen und Detritus. Sie vermehren sich ungeschlechtlich durch Teilung nach Kettenbildung. Das heißt das Tier wächst in die Länge und zerfällt dann irgendwann in zwei. Geschlechtliche Fortpflanzung erfolgt nur im Herbst. Dann werden schleimumhüllte Eikokons an Wasserpflanzen geheftet. Die Tiere stellen keine Bedrohung für die Aquarienbewohner dar. Sie werden zum Teil gefressen, ziehen sich aber tagsüber ins Substrat zurück.

Kleiner Schneckenegel

Kleiner Schneckenegel 

Egel mit Nachwuchs

Schneckenegel mit Jungtieren 
unter dem Bauch

Anders als der Rollegel sind Schneckenegel und Zweiäugige Plattegel (Fam. Glossiphoniidae) im Aquarium sehr gefährlich für Fische und vor allem für Schnecken. Sie saugen nicht nur kurz, sondern töten die Tiere ab. Fische werden zwar erst angegriffen, wenn keine Schnecken mehr zur Verfügung stehen, aber auch sie werden verletzt und können bei starkem Befall sterben. Der Egel raspelt ein Loch in die Haut des Opfers und saugt Körperflüssigkeiten. 
Die Tiere betreiben Brutpflege indem sie ihre Eikokons und auch die Jungtiere unter dem Bauch mit sich herumtragen. Sie bringen ihre Jungen aktiv zu einem Wirt an dem diese sich dann festsaugen.
Egel . Der Schneckenegel (Glossiphonia heteroclita) ist weißlich, gelblich oder gräulich. Er hat drei Paar Augen hinter einander, wobei die beiden hinteren Paare dichter zusammen stehen. Der Rücken weist keine Warzen auf. Die Art saugt an Schnecken und Würmern.

Augen des Schneckenegels

Augen des Kleinen Schneckenegels.

Der Zweiäugige Plattegel (Helobdella stagnalis) hat nur zwei Augen. Er ist farblos, hellgrau oder rötlich. Er saugt an Mückenlarven, Wasserflöhen, Wasserasseln, Schnecken, Amphibien und im Aquarium auch an Fischen.

Krebstiere


Zebra-Muschelkrebs

Zebra-Muschelkrebs (Cypridopsis vidua)

Muschelkrebs aus einem Aquarium

Muschelkrebs mit zwei verschieden großen
Schalenklappen. Möglicherweise
Herpetocypris reptans.


Muschelkrebs aus einem Aquarium

Muschelkrebs mit Dorn auf dem Rücken










Muschelkrebse sind kleine Krebstiere, die sich von Algen und Einzellern ernähren. Manchmal treten sie plötzlich in Aquarien auf und schwimmen in Schwärmen durch das Becken. Sie sind nicht gefährlich für die Beckenbewohner. Ihre harten Schalen schützen sie allerdings vor dem Gefressen werden. Warum sie manachmal in Massen auftreten ist unbekannt. Die Schwärme findet man auch in Aquariem, in denen Monate vorher keine neuen Tiere oder Pflanzen eingesetzt wurden. Einen Bericht über Muschelkrebse haben wir im Newsletter Nr. 36 veröffentlicht.
Hüpferling mit Eiern

Macrocyclops albidus - Weibchen mit Eiern

männlicher Hüpferling

Männchen von M. albidus


Nauplie von Macrocyclops

Nauplie von Macrocyclops albidus



Hüpferlinge sind Ruderfußkrebse. Sie fallen durch ihre eigenartig „sprunghaften“ Schwimmbewegungen auf. Den meisten Aquarianern sind sie als Frost- oder Lebendfutter bekannt. manchmal treten sie aber auch plötzlich in Massen in Aquarien ohne Fische auf. Sie sind als kleine Punkte sichtbar, die sich unregelmäßig, hüpfend durch das Wasser bewegen und ab und zu an der Scheibe oder an Pflanzen sitzen bleiben.

Der Körper ist in einen Vorderkörper (Cephalothorax), ein Bruststück (Thorax) und den Hinterleib (Abdomen) gegliedert. Der Cephalothorax besteht aus mehreren verschmolzenen Segmenten von Kopf und Thorax. Der Thorax hat vier oder fünf Segmenten, das Abdomen fünf.
Am Vorderkörper sind zwei Paar Antennen und die Mundwerkzeuge. Die ersten (größeren) Antennen der Männchen haben Gelenke, die es ihnen ermöglichen die Weibchen zu greifen und in eine günstige Paarungsposition zu bringen. Nahe der Kopf-Vorderkante sind 3 bis 6 Naupliusaugen, mit denen sich das Tier zum Licht ausrichten kann. Die fünf Paar Ruderbeine sind am Bruststück. Das letzte Beinpaar ist kleiner und beim Männchen für die Begattung notwendig.
Hinterkörper endet in einer borstigen Schwanzgabel, die der Stabilisierung beim Schwimmen dient. Die Schwanzborsten sind unterschiedlich lang. Daran lassen sie sich von den Schwebekrebsen (Eudiaptomus) gut unterscheiden.
Die Weibchen tragen nach der Begattung je einen Eiballen rechts und links am Hinterleib. Aus den Eiern schlüpfen Nauplien. Sie häuten sich sechsmal. Nach jeder Häutung hat das Tier mehr Segmente und mehr Ruderbeine. Nach der letzten Häutung ist das Tier geschlechtsreif. Die Lebensdauer liegt bei einem halben bis zu einem Jahr.
Der Dunkle Riesenhüpferling (Macrocyclops fusca) ist mit ca. 4 mm die größte einheimische Art. Die Tiere leben räuberisch zum Beispiel von kleinen Krebsen und Rädertierchen.
Der weiße Riesenhüpferling Macrocyclops albidus ist eine weit verbreitete, häufige Art. Er wird etwa 2,5 mm lang. Der Körper ist farblos.
Der Gemeine Hüpferling (Cyclops strenuus) ist die häufigste und am weitesten verbreitete Art. Auch bei ihr leben die Adulten räuberisch. Sie sind etwa 2 mm lang, die Männchen sind im Durchschnitt etwas kleiner als die Weibchen. Die Entwicklung vom Schlupf zum erwachsenen Tier dauert etwa einen Monat.


Hüpferlinge haben weniger harte Panzer als Wasserflöhe und einen höheren prozentualen Anteil an Eiweiß und Fett. Sie eignen sich sehr gut als Aufzuchtfutter für Jungfische.

Nesseltiere


Hydra viridis

Hydra viridissima

Hydra viridis
Die Hydra ist ein Nesseltier, das mit seinen Tentakeln Beutetiere fängt. In speziellen Nesselkapseln befinden sich kleine mit Gift gefüllte Harpunen. Sie schießen bei Berührung innerhalb von 3 Millisekunden heraus, verankern sich am Beutetier. Die Beute wird gelähmt und in die Mundöffnung eingeführt.
Hydra viridissima ist wit verbreitet, kommt aber in der Natur nur in kühlen, stehenden Gewässern vor. Im Aquarium ist sie selten. Sie sind durch symbiotische einzellige Algen grün gefärbt. Sie sind etwa 1 bis 1,5 cm groß.
Häufiger findet man in Aquarien weiße oder gräuliche Hydra, die etwa  2 cm groß werden.
Als Nahrung dienen Mückenlarven, Wasserflöhe, Hüpferlinge und andere kleine Wasserorganismen.

Unbewegliche Objekte


Gelege von Pomacea diffusa
Außerhalb des Wassers an der Abdeckung, den Leuchten oder auch an Holz kleben manchmal die Gelege von Apfelschnecken aus der Gattung Pomacea Bei Pomacea bridgesii, P. diffusa und P. scalaris sind sie weiß oder beige. 
Bei P. canaliculata und P. insularum rot und bei P. glauca grün.  
Gelege der Paradiesschnecke

 Gelege einer Paradiesschnecke

Die Gelege von Asolene spixi und Marisa cornuarietis sind schleimige Massen, die man unter Wasser an Pflanzen, Holz oder selten auch an anderen Schnecken finden kann.
Eikokons auf dem Gehäuse von Neritina pulligera

Neritina pulligera mit Eikokons auf dem Gehäuse

Kokon von Neritina turrita

Kokon von Neritina turrita unter dem Mikroskop

In Aquarien mit Nixenschnecken (Neritidae) findet man ab und an kleine ovale, weißlich bis gelbliche Eikokons.
Sie werden in Massen abgelegt. Da die schlüpfenden Larven sich im Süßwasser nicht entwickeln, bekommt man aber nie Schnecken-Nachwuchs.


Kokons von Neritina turrita

Kokon von einem Rollegel
Dieses braune, durchscheinende, ovale Gebilde ist ein Gelege vom Rollegel. Es ist etwa 8 mm lang und 4 mm breit. Jedes Gelege enthält ein Ei. Das rotbraune Objekt in der Mitte ist der Egel-Embryo. Diese Eihüllen haften an festen Substraten. Man findet sie zum Beispiel an den Scheiben im Aquarium, unter Blumentöpfen oder an Schneckengehäusen.


Literatur:

H. W. Ludwig (2003): Tiere und Pflanzen unserer Gewässer.- BLV Bestimmungsbuch

H. Steble, D. Krauter (2006): Das Leben im Wassertropfen.- Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft


© Wilstermann-Hildebrand 2010 - 2011