Tellerschnecken (Planorbidae) 
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 Tellerschnecken, werden im deutschen Sprachgebrauch meist als „Posthornschnecken“ bezeichnet, weil die Meisten von ihnen wie ein Post- oder Jagdhorn flach in einer Ebene gewunden sind. Die Arten aus der Gattung Bulinus haben allerdings turmförmige Gehäuse. Alle Planorbidae sind links gewunden. Alle Mitglieder dieser Schneckenfamilie haben nur ein Paar fadenförmige Fühler. Der Kopf ist breit und deutlich vom Körper abgesetzt.
Es sind zwittrige Tiere und sie atmen atmosphärische Luft in einen Luftsack unter ihrem Gehäuse. Die Tiere können Wasser in diesen Luftsack aufnehmen und dann den Sauerstoff aus dem Wasser nutzen. Das ist vor allem im Winter unter dem Eis von Vorteil.
Tellerschnecken haben anders als andere Schneckenfamilien einen roten Blutfarbstoff. Dieser lässt Tiere ohne Pigmente in der Haut oder dem Gehäuse rot leuchten. Solche Albinos treten bei verschiedenen Arten auf. Diese Färbung hilft also nicht bei der Artbestimmung. 30 oder mehr Gattungen von Tellerschnecken gibt es weltweit. Wahrscheinlich gibt es mehr als 500 Arten. Es gibt sie in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika.
 
 

Tellerschnecken zu unterscheiden ist schwierig. Man kann sie an Hand ihrer Gehäuseumrisse (in Grundposition) und Mündungsformen aber zumindest in Gattungen einordnen. 
Die hier abgebildeten Gehäuse (abgesehen von A) sind auf dem Kopf gestellt. Der Nabel ist bei ihnen oben und die eigentliche (anatomische) Oberseite unten. Das ist die Ausrichtung in der die Gehäuse von den Schnecken getragen werden. 

Der Gehäuseumriss in der Grundposition wird als Kontur bezeichnet. Die Konturlinie kann gerade, ausgebeult (konvex) oder nach innen gebogen (konkav) sein. Bei der Flachen Federkiemenschnecke (Valvata cristata) ist in der Nabellage die Kontur konkav (A). Bei der Glänzenden Tellerschnecke (Segmentia nitida) ist sie dagegen konvex (C) und bei der Gemeinen Tellerschnecke (Planorbis planorbis) (B) und der Riementellerschnecke (Bathyomphalus contortus) (D) gerade.

Die Form der Mündung ist durch die Stärke der Wölbung der Windungen bedingt. Je stärker die Windungen gewölbt sind, desto runder wird die Mündung. In den meisten Fällen ist breiter als hoch oder halbmondförmig (Bathyomphalus contortus, D). 
Wenn der Saum der Mündung am oberen Rand nicht direkt mit der Wand der vorherigen Windung verschmilzt, sondern frei um die Mündung verläuft, die Ränder also in einander übergehen, dann spricht man von einem verbundenen Mundsaum (A).
Das kommt aber bei Tellerschnecken nicht vor. Das obere Gehäuse ist in eine andere Familie, in die der Federkiemenschnecken (Valvatidae) einzuordnen (Valvata cristata). 
 

A Valvata cristata (Valvatidae)
B Planorbis planorbis (Planorbidae)
C Segmentia nitida (Planorbidae)
D Bathyomphalus contortus (Planorbidae)


 

Die Gelege sind rund, oval oder nierenförmig. Sie bestehen aus einer klaren Gallerte, die bei den kleinen Arten eins bis zehn und bei den größten Arten etwa zehn bis dreißig Eier enthält. Direkt nach der Ablage sind die Gelege noch weich, werden aber zunehmend fester und dabei manchmal leicht gelblich. Sie werden unter Wasser an die Unterseite von Blättern oder an Steine, Holz oder die Aquarienscheibe geklebt. Die Tiere fressen bevorzugt Algen. Neben fädigen Grünalgen sollen sie zum Teil auch Blaualgen fressen. Diese vermehren sich jedoch sehr stark und können nicht allein von den Schnecken beseitigt werden. Wenn Algen fehlen, werden auch gesunde Pflanzen, beginnend mit den weicheren Arten, angefressen. Je größer die Schneckenart ist und je mehr Tiere davon in einem Aquarium leben, desto größer ist die Gefahr von Pflanzenschäden. Meistens fressen Tellerschnecken aber nur an Blättern, die bereits absterben. Exemplare unter einem Zentimeter Gehäusedurchmesser richten (von Massenvorkommen abgesehen) keine sichtbaren Schäden an.
 
 

Der Hautlappen an der linken Körperseite dient
zur Aufnahme von Sauerstoff aus dem Wasser.
Da es sich nicht um eine echte Kieme handelt, sondern
um ein Ersatzorgan mit der selben Funktion,
wird diese Hautfalte als "sekundäre Kieme" bezeichnet.


Gattung Planorbarius




Die bekannteste und größte einheimische Tellerschnecke ist die Posthornschnecke (Planorbarius corneus). Ihr Gehäuse wird bis 12 mm hoch und 34 mm breit. Es ist hornfarben, rotbraun bis olivbraun und nicht durchscheinend. Die Mündung ist breit nierenförmig und etwas schräg. Der Körper ist dunkelbraun bis schwärzlich. Die albinotische Form wurde früher häufig in Aquarien als „Rote Posthornschnecke“ gehalten.
 
 

Weil das Gehäuse sehr dick ist, scheint 
der rote Körper bei diesem Tier nicht durch.

Im Aquarium ist die Posthornschnecke
seltener zu finden. In Teichen ist sie aber häufig.

Die Skizze zeigt den angesetzten Kopf, die fadenförmigen Fühler und die kleine Hautfalte, die als sekundäre Kieme dient.
Als Lungenschnecken, die vom Landleben ins Wasser zurück gekehrt sind, haben Tellerschnekcen keine echten kiemen mehr, wie die Apfelschnecken (Ampullariidae). Sie können in sauerstoffreichen Gewässern zusätzlichen Sauerstoff über die Haut aufnehmen. Die Hautfalte ist besonders dicht mit Blutgefäßen durchzogen und dient so als Ersatz für eine Kieme.


Gattung Helisoma



Heute findet man als Rotes Posthorn vor allem die südamerikanische Tellerschnecken Helisoma nigricans und Helisoma duryi. Helisoma nigricans wird nur 10 mm hoch und 18 mm breit, ist also etwas kleiner als die einheimische Art. Auch bei ihr ist die Mündung schräg. Sie stammt ursprünglich aus Brasilien. Ihre Lethaltemperatur soll knapp unterhalb von 20 °C liegen. Helisoma duryi ist noch etwas kleiner.
 

Albinotische Helisoma nigricans. Bei diesen
unpigmentierten Tieren scheint das 
rote Blut durch.

Helisoma duryi tritt ebenfalls als Albino auf.

Die Kleine oder Amerikanische Posthornschnecke (Helisoma trivolvis) ist 10-15 mm hoch, 18-30 mm breit und gelbbraun bis braun. Diese Art stammt aus Amerika und wurde von Kanada bis Brasilien nachgewiesen. Sie wurde über botanische Gärten nach Europa eingeschleppt. Im Unterschied zur einheimischen Posthornschnecke (Planorbarius corneus), ist bei H. trivolvis die Mündung eirund bis ohrförmig und nicht schräg. Entlang des Mündungsinnenrandes verläuft ein rotbrauner oder purpurfarbener Streifen. Diese Art ist bei uns winterhart und lebt in einigen Teichen und Aquarien.
 

Helisoma trivolvis an Hornkraut

Die Gemeine Tellerschnecke (Planorbis planorbis) ist deutlich schmaler. Ihr Gehäuse wird nur 18 mm im Durchmesser und 3,5 mm hoch. Etwas oberhalb der Windungsmitte verläuft ein deutlicher Kiel. Der Körper ist einfarbig schwarzbraun. Diese Schnecken haben eine Lebenserwartung von etwa ein bis zwei Jahren.
Die Tropische Posthornschnecke (Biomphalaria glabrata) unterscheidet sich äußerlich auch kaum von der heimischen Posthornschnecke. Sie wird in Deutschland nicht gehandelt, gehalten oder vermehrt. In den USA kann man sie aber kaufen. Diese Schneckenart und andere aus ihrer Gattung sind Zwischenwirte für Bilharziose-Erreger (Schistosoma sp.). Wer Posthornschnecken in seinem Aquarium hält, braucht aber nicht in Panik verfallen. Wenn die Tiere mit Pflanzen als Gelege eingeschleppt wurden, sind sie in jedem Fall frei von Parasiten. Ein gewisses Risiko besteht aber, wenn man die Tiere selbst aus dem Urlaub mitbringt. In dem Fall ist die Gefahr einer Infektion allerdings schon dann gegeben, wenn man in das verseuchte Gewässer steigt oder hineinfasst. In diesem Zusammenhang sollte man flache, stehende und warme Gewässer meiden.

Die Scharfe Tellerschnecke (Anisus vortex) hat ein sehr flaches Gehäuse.  Es ist nur 1,3 mm hoch und hat einen Durchmesser von maximal 10 mm. Die 6 bis 7 Windungen sind an der Unterseite deutlich gewölbt. Es gibt einen scharfen Kiel. Darüber ist das Gehäuse abgeflacht. Beim Kriechen ist die flache Oberseite unten. Der Lebensraum sind langsamfließende oder stehende Gewässer mit dichten Pflanzenbeständen. Man findet die Tiere zum Beispiel im Schilfgürtel oder in treibenden Ansammlungen von abgetrennten pflanzenteilen entlang der Ufer.
Die Art ist - zumindest bei mir - nicht aquarientauglich. Häufig überleben die Tiere nicht länger als ein oder zwei Wochen. Vermutlich vertragen sie keine Temperaturen über 20 °C.
Eine ähnliche Art ist Anisus vorticulus, die aber einen stumpfen Kiel hat, der mittig auf den Windungen sitzt. Auch sind bei dieser Art die Windungen oberhalb und unterhalb des Kiels gewölbt.
 

In vielen Aquarien leben andere sehr kleine Tellerschneckenarten. Eine dieser Arten ist  Planorbella scalaris. Die ausgewachsenen Tiere sind etwa 9 bis 10 mm breit und 5 bis 7 mm hoch. Auf der linken (oberen) Seite ist das Gehäuse völlig flach und wirkt als wäre es abgeschliffen und poliert worden. Hier befindet sich eine scharfe Kante (Kiel), von der die Wölbung der Windung begrenzt wird. Manchmal bilden die Tiere ein Gewinde aus. Dabei bleibt die Spitze aber platt. Auf der rechten (unteren) Seite ist der Nabel (Umbilicus) sehr tief eingesenkt. Das Gehäuse ist sehr dünn und es scheinen dunkle Flecken auf dem Mantel durch. Teilweise sind sogar innere Organe zu sehen. Von dieser Art sind ebenfalls Albinos weit verbreitet.
 
 

Das Gehäuse von Planorbella scalaris
ist auf einer Seite (oben) ganz flach und glatt
und auf der anderen eingesenkt.

Rückseite mit tiefem Nabel.

 

Diese Mutation von Planorbella scalaris
mit getürmten Gehäuse vererbt sich weiter.
Die Tiere zeigen deutlich, dass die Tellerschnecken 
zu den links gewunden Schnecken gehören.

Südamerikanische oder Afrikanische Tellerschnecken können Träger von Larven von Pärchenegeln sein. Besonders betroffen sind die Schnecken aus der Gattung Biomphalaria. Sie sind etwa so groß und ähnlich geformt wie Planorbarius.
 

Manchmal leben auch winzig kleine Tellerschnecken mit nur wenigen Millimetern Durchmesser in Aquarien. Sie fressen feine Algen, abgestorbene Pflanzenteile und weiche Futterreste. Sie richten keinen Schaden an, werden manchmal als unschön empfunden. Zu welchen Arten diese Tiere gehören, ist schwer zu sagen, wenn man oft als Anhaltspunkt nicht einmal den Kontinent hat von dem sie stammen.

Es gibt in Europa eine Reihe sehr kleiner Tellerschnecken. Dazu gehören die Weißmündige Tellerschnecke (Anisus leucostoma), das Weißes Posthörnchen (Gyraulus albus), Linsenförmige Tellerschnecke (Hippeutis complanatus), die Glänzende Tellerschnecke (Segmentia nitida) und das Zwergposthörnchen (Gyraulus crista). Das Gehäuse der letzten Art wird bis 0,9 mm hoch und 2,8 mm breit. Damit ist sie die kleinste einheimische Tellerschnecke. Die Gehäuse der übrigen sind zwischen 0,8 und 1,8 mm hoch und 4 bis 7 mm breit. Diese Arten leben in pflanzenreichen Stillgewässern und Gräben mit langsam fließendem Wasser. Man findet sie viel zwischen Wasserlinsen. Wer Wasserlinsen und Lebendfutter aus der Natur entnimmt kann durchaus auch auf diese Zwerge eines Tages in seinem Aquarium finden.

Vor allem in der älteren Aquarienliteratur wird manchmal die Australische Spitzhornschnecke (Physastra proteus oder Isodora proteus) erwähnt. Ihr breit-konisches Gehäuse (Außenwinkel 60 bis 70°) ist graugrün. Es wird in der Natur bis 2 cm lang. Im Aquarium bleiben die Tiere meistens kleiner. Ursprünglich stammen sie aus Australien. Sie ähnelt der einheimischen Spitzen Blasenschnecke (Physella acuta), weil sie nicht wie andere Tellerschnecken flache, sondern getürmte Gehäuse haben. Auch bei dieser Art sind die Albinos wegen ihres hämoglobinähnlichen Blutfarbstoffes rot.

Die kegelförmigen , afrikanischen Tellerschnecken werden der Gattung Bulinus zugeordnet. Bulinus truncatus (Synonyme: B. rohlfsi und Isodora truncatus) ist in der Größe und Form sehr variabel. Im Schnitt ist das Gehäuse 14,5 mm hoch und 10 mm breit. Es ist kegelförmig bis oval. Die Windungen sind nur wenig gewölbt. Die Mündung ist spitzoval. Die Tiere sind zwittrig. Es gibt in den Populationen aber Tiere, die keinen Penis bilden (aphallisch). Das Verhältnis von aphallischen zu euphallischen Tieren in natürlichen Populationen und in Versuchen liegt bei etwa 1:1. Bei B. truncatus sind beide Formen zur Selbstung und zur Kreuzbefruchtung fähig. Die aphallischen Tiere fungieren bei Paarung nur als Weibchen. In 8 von 10 Fällen erfolgt die Vermehrung parthenogenetisch. In Versuchen begannen isolierte Tiere ab einer Größe von 5 mm, im Alter von etwa 35 Tagen (25 °C) Eier zu legen. Die Gelege umfassen bis zu 20 Eier. Die Jungen schlüpfen nach 5 bis 10 Tagen.

Tabelle: Durchschnittliche Lebensdaten für B. truncatus (Ostrowski et al. 2003)
 
 

Größe zum Todeszeitpunkt 9,42 mm
Alter bei der ersten Eiablage 36,4 Tage
Absolute Eizahl bis zum Tod 1063,4
Gelegezahl 128,4
Eier pro Gelege 7,2
Fruchtbare Lebensspanne  141,5 Tage
Eier pro Tag 6,8
Gelege pro Tag 0,92
Alter bei der letzten Eiablage 179 Tage
Todesalter 201,3 Tage
Schlupfrate 98 %
Überlebensrate der Jungschnecken  89 %

 

Es konnten auch keine genetischen Unterschiede zwischen euphalischen und aphalischen Tieren gefunden werden. Aus einem durch Selbstung entstandenem Gelege schlüpften beide Formen. Es sieht so aus, als würde mit steigender Umgebungstemperatur auch der Anteil an aphalischen Tieren zunehmen. Die sexuelle Form der Tiere wird bereits im Ei bestimmt und für das ganze Leben festgelegt. Die Ernährung der Jungtiere hat also keinen Einfluss auf die Bildung des Penis. Die Art ist Nordafrika weit verbreitet. Sie lebt im gesamten Nilgebiet und in vielen Oasen im Inneren der Sahara, auch in temporären Gewässern. Im Mittelmeerraum gibt es einzelne isolierte Populationen (Sizilien, Peleponnes, Arabien, Israel).
 



zitierte Literatur, weitere Quellen bei der Übersicht über Schnecken

Ostrowski, M.-F.; Jarne, P.; David, P. (2003): A phallus for free? Quantitative genetics of sexual trade-offs in the snail Bulinus truncatus.- J. Evol. Bio., Vol. 16, 7-16

Glöer, P. (2002): Die Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas.- Die Tierwelt Deutschland Band 73


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